Welche frei verfügbaren Datensätze über das deutsche Gesundheitswesen gibt es eigentlich, und wofür kann man diese verwenden? Mit den neuen Beiträgen zu Statistiken im Gesundheitswesen geben wir Antworten auf diese Fragen. Wir zeigen in unserer neuen, losen Serie ausgewählte Datensätze, geben Inspirationen für mögliche Datenauswertungen, decken Trends im Gesundheitswesen auf und eröffnen einen kurzen verständlichen Einblick in die statistische Erhebungsmethodik. Mit diesem Wissen ist es möglich, bei nächster Gelegenheit diese Datensätze für ausgewählte Fragestellungen zu nutzen. Heute: Gesundheitspersonalrechnung.
Der verwendete Datensatz
Datenquelle
Gesundheitspersonalrechnung
Datenhalter
Statistisches Bundesamt (Destatis)
Erhebung
Jährlich
Verfügbare Zeiträume
2000-2020
Variablen
Gesundheitspersonal nach Einrichtungen, Berufen, Art der Beschäftigung, Geschlecht, Alter
In der Datenquelle „Gesundheitspersonalrechnung“ werden alle Personen erfasst, die im deutschen Gesundheitswesen tätig sind. Dazu zählen neben Angestellten unter anderem auch Praktikanten oder Personen im Bundesfreiwilligendienst. Nicht eingeschlossen werden beispielsweise Beschäftigte in einem Ausbildungsverhältnis oder ehrenamtlich Tätige.[2]
Über die Genesis-Online Datenbank[3] oder über die Internetseite des GBE-Bund[4] können die Daten eingesehen werden. Informationen zum Gesundheitspersonal können für unterschiedliche Zeiträume nach Einrichtungen, Berufen, Art der Beschäftigung, Geschlecht und Alter abgerufen werden. Man hat die Möglichkeit, Tabellen mit unterschiedlichen Variablen darzustellen. Die Daten können z.B. auch als Excel-Datei exportiert werden. Dadurch wird eine weitere Bearbeitung erleichtert.
Zur Methodik der Datenerhebung
Bei der Datenquelle handelt es sich um eine Sekundärstatistik. Das bedeutet, dass die Statistik aus ca. 30 Basisstatistiken zusammengesetzt wird (z.B. Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit). Ein Qualitätssicherungsverfahren sorgt dafür, dass Fehler in der Datensatzzusammenführung vermieden werden. Die Qualität der verwendeten Basisstatistiken ist also entscheidend für die Qualität der Ergebnisse aus der Gesundheitspersonalrechnung.[2]
Um die Anonymität des erfassten Gesundheitspersonals zu wahren, werden die Daten in aggregierter Form dargestellt (d.h. in 1.000). Daher ist eine Auswertung auf Individualdaten-Ebene nicht möglich. Personen mit mehreren Arbeitsverhältnissen in verschiedenen Einrichtungen werden mehrfach erfasst.[2]
Eine ausführliche Erläuterung zur Methodik wird vom Statistischen Bundesamt bereitgestellt[2].
Welche Trends lassen sich aus dem Datensatz ableiten?
Beschäftigungsverhältnisse
Im Jahr 2020 arbeiteten 47% der Beschäftigten in Vollzeit und 53% in Teilzeit bzw. als geringfügig Beschäftigte. In den letzten Jahren ist die Anzahl an Beschäftigten im Gesundheitswesen gestiegen. Derzeit arbeiten mehr Beschäftigte in Teilzeit als in Vollzeit. Mehr Männer arbeiten in Vollzeit. Frauen hingegen arbeiten eher in Teilzeit (siehe Abbildung 1). Die Geschlechterverteilung unterscheidet sich zwischen den Einrichtungen jedoch teilweise erheblich[3]. In ambulanten Einrichtungen und in der stationären & teilstationären Pflege war der Personalzuwachs besonders hoch (siehe Abbildung 2).
In einer Pressemitteilung vom 23. Juni 2022 gab das Statistische Bundesamt weitere wertvolle Ergebnisse zur Entwicklung von Berufen basierend auf der Gesundheitspersonalrechnung im Zusammenhang mit der COVID-19 Pandemie bekannt[5] (siehe Abbildung 3). Im Bereich der medizinischen Gesundheitsberufe ist der Anteil an Beschäftigten im Pandemiejahr 2020 um 1,5% gestiegen. Bei der Betrachtung der Vollzeitäquivalenten wird deutlich, dass der Anstiegt vor allem auf Beschäftigte im Gesundheitsschutz (+4,7%), Beschäftigte in medizinischen-technischen Laboratorien (2,7%) und Pflegefachkräfte (2,7%) zurückzuführen ist. Zu dem Gesundheitsschutz zählen beispielsweise auch Beschäftigte im öffentlichen Gesundheitsdienst. Bei den Pflegefachkräften ist anzumerken, dass der Anstieg im Jahr 2020 mit 2,7% geringer ausgefallen ist als im Vorjahr 2019 (+3,7%).[5]
Abbildung 1: Gesundheitspersonal nach Alter und Geschlecht von 2012 bis 2020 (in Tausend)
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Quelle: Eigene Darstellung und Berechnung basierend auf den Daten des Statistischen Bundesamtes[3].
Abbildung 2: Gesundheitspersonalentwicklung nach Geschlecht von 2000 bis 2020 (in Tausend)
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Quelle: Eigene Darstellung und Berechnung basierend auf den Daten des Statistischen Bundesamtes[3].
Abbildung 3: Vollzeitäquivalente in medizinischen Gesundheitsberufen im Jahr 2020 – Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in Prozent
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Quelle: Eigene Darstellung basierend auf den Daten des Statistischen Bundesamtes [3] und in Anlehnung an [5].
Alter
Insgesamt sind ca. 14 % aller Beschäftigten im Gesundheitswesen älter als 60 Jahre. Insbesondere fallen hier die medizinischen / zahnmedizinischen Laboratorien auf - hier beträgt der Anteil sogar 23%. (siehe Abbildung 4)
Im Vergleich sind ca. 15% aller Beschäftigten im Gesundheitswesen unter 30 Jahre. Hier fallen die Rettungsdienste ins Auge - hier sind sogar 1/3 der Personen jünger als 30 Jahre. (siehe Abbildung 5)
Abbildung 4: Gesundheitspersonal ab 60 Jahre nach Einrichtungen im Jahr 2020 in %
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Quelle: Eigene Darstellung und Berechnung basierend auf den Daten des Statistischen Bundesamtes[3].
Abbildung 5: Gesundheitspersonal unter 30 Jahren nach Einrichtungen im Jahr 2020 in Prozent
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Quelle: Eigene Darstellung und Berechnung basierend auf den Daten des Statistischen Bundesamtes[3].
Wer glaubt, mit dem Live-Gang des Forschungsdatenzentrums (FDZ) Gesundheit gibt es nunmehr für jeden einen einfachen und explorativ nutzbaren Zugang zu pseudonymisierten Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung, der irrt.
Die hausärztliche Versorgung in ländlichen Regionen Deutschlands steht vor einer akuten Krise. Laut eines kürzlich veröffentlichten Berichts der Bertelsmann Stiftung planen etwa 20 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte, ihre Tätigkeit innerhalb der nächsten fünf Jahre aufzugeben. Gleichzeitig verändert sich das Berufsbild junger Ärztinnen und Ärzte erheblich.
Der Superlativ ist, so weiß es auch schuelerhilfe.de, „die höchste Steigerungsform eines Adjektivs“. Da geht nichts „dröbber“! Wenn es in dem Beitrag von Welte und Pisch [1] also heißt, RCTs seien die „robusteste Evidenzquelle“, dann ist damit die Spitze der Fahnenstange, was die Qualität der Evidenz bezogen auf Verzerrungsfreiheit oder interne Validität angeht, erreicht. Logische Konsequenz: Die Aussagekraft jedes anderen vergleichenden Designs ist weniger robust, schwächer als die von RCTs. Bekannte Sachlage.