Direkt zum Inhalt springen

Klares Signal für Patienten in Europa

Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des vfa

Ist ein Portugiese anders krank als ein Deutscher? Wohl kaum. Warum sollte sich also die medizinische Bewertung danach richten, welche Nationalität ein Europäer hat. Verschieden sind die Lebensbedingungen in Deutschland und Portugal. Eine Differenzierung nach Nationalitäten macht also nur bei den verhandelten Preisen Sinn, nicht bei der medizinischen Bewertung.

Die Bewertung von Arzneimitteln steht und fällt mit der Qualität der Studien.  Dabei ist es völlig egal, ob eine Bewertung von den Zulassungsbehörden kommt oder vom Gemeinsamen Bundesausschuss. Beide brauchen eine gute Bewertungsbasis: Die Zulassungsbehörde, wenn sie das Nutzen-Risiko-Verhältnis beurteilt und der Gemeinsame Bundesausschuss wenn er den  Zusatznutzen ermittelt:

Eine Abstimmung der Zulassungs- und Zusatznutzenbewertungsbehörden senkt also Reibungsverluste und sorgt dafür, dass Patienten von guten Studien profitieren.

Eine künftige europäische Zusatznutzenbewertung kann dabei genau so funktionieren wie die  europäische Zulassung. Dort arbeiten die verschiedenen nationalen Behörden in einem strukturierten Verfahren gut zusammen. Dabei können die nationalen Instanzen ihre besonderen Fähigkeiten und Erfahrungen gezielt einbringen und die europäischen Instanzen sorgen dafür, dass sie abgerufen werden.

In die künftige europäische Zusammenarbeit können sich auch der Gemeinsame Bundesausschuss und das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen einbringen. Der Spitzenverband der Krankenkassen ist ohnehin nach wie vor für die nachgelagerte Preisverhandlung zuständig. Denn die Umsetzung von Nutzenbewertungen bleibt  auch im EU-Konzept eine nationale Kompetenz.

Eine europäische Zusatznutzenbewertung ist ein klares Signal für Patienten überall in Europa.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Dr. Markus Beier © Georg Lopata/axentis
© Georg Lopata/axentis

Kommentare: Die Evidenz spricht für die HZV

Das flächendeckende Primärversorgungssystem soll kommen – nur wie weiß noch niemand. Doch was ist überhaupt konkret gemeint, wenn Politik, Krankenkassen oder Ärzteschaft von einem Primärversorgungssystem sprechen? Und was sagt die internationale und nationale Evidenz zu den Ideen und Vorschlägen?

Dr. Markus Blumenthal-Beier

Hartmut Reiners

Kommentare: Kommissionen als Reformersatz

Die Bundesregierung und der für Streitfälle zuständige Koalitionsausschuss konnten sich bislang nicht auf die personelle Besetzung der Kommission zur Reform der Pflegeversicherung einigen. Offenbar wird dieser scheinbar formale Akt als Vorgriff auf die Arbeitsergebnisse dieses Gremiums verstanden.

Hartmut Reiners

Ilse Boskamp

Kommentare: Digitale Gesundheitsanwendungen fördern statt beschneiden

Im Rahmen der Änderungsanträge zur Reform der Notfallversorgung planen die Bundestagsfraktionen CDU/CSU und SPD einen zusätzlichen erfolgsabhängigen Abschlag der Vergütungsbeträge für Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA). Dadurch droht den Herstellern dieser noch jungen Versorgungsform, Planungssicherheit und wirtschaftliche Auskömmlichkeit wegzubrechen. Außerdem werden bei allen Akteuren weitere Bürokratie aufgebaut und Kollateralschäden bei der Versorgung in Kauf genommen.

Ilse Boskamp