Direkt zum Inhalt springen

Klares Signal für Patienten in Europa

Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin des vfa

Ist ein Portugiese anders krank als ein Deutscher? Wohl kaum. Warum sollte sich also die medizinische Bewertung danach richten, welche Nationalität ein Europäer hat. Verschieden sind die Lebensbedingungen in Deutschland und Portugal. Eine Differenzierung nach Nationalitäten macht also nur bei den verhandelten Preisen Sinn, nicht bei der medizinischen Bewertung.

Die Bewertung von Arzneimitteln steht und fällt mit der Qualität der Studien.  Dabei ist es völlig egal, ob eine Bewertung von den Zulassungsbehörden kommt oder vom Gemeinsamen Bundesausschuss. Beide brauchen eine gute Bewertungsbasis: Die Zulassungsbehörde, wenn sie das Nutzen-Risiko-Verhältnis beurteilt und der Gemeinsame Bundesausschuss wenn er den  Zusatznutzen ermittelt:

Eine Abstimmung der Zulassungs- und Zusatznutzenbewertungsbehörden senkt also Reibungsverluste und sorgt dafür, dass Patienten von guten Studien profitieren.

Eine künftige europäische Zusatznutzenbewertung kann dabei genau so funktionieren wie die  europäische Zulassung. Dort arbeiten die verschiedenen nationalen Behörden in einem strukturierten Verfahren gut zusammen. Dabei können die nationalen Instanzen ihre besonderen Fähigkeiten und Erfahrungen gezielt einbringen und die europäischen Instanzen sorgen dafür, dass sie abgerufen werden.

In die künftige europäische Zusammenarbeit können sich auch der Gemeinsame Bundesausschuss und das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen einbringen. Der Spitzenverband der Krankenkassen ist ohnehin nach wie vor für die nachgelagerte Preisverhandlung zuständig. Denn die Umsetzung von Nutzenbewertungen bleibt  auch im EU-Konzept eine nationale Kompetenz.

Eine europäische Zusatznutzenbewertung ist ein klares Signal für Patienten überall in Europa.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Thomas Eisenreich © Home Instead GmbH, Frechen
© Home Instead GmbH, Frechen

Kommentare: Pflegeplätze sichern statt wegregulieren

Die stationäre Pflege steht vor einer doppelten Herausforderung: Die Kosten steigen weiter, während zugleich die Zahl verfügbarer Pflegeplätze sinkt. Daraus entsteht eine Pflegelücke, die Pflegebedürftige, Angehörige, Träger und Kommunen gleichermaßen belastet. Die Bundesarbeitsgruppe Pflege des Wirtschaftsrats der CDU hat sich dieser Frage bewusst aus unternehmerischer Perspektive angenommen: Wie lässt sich Versorgung sichern, ohne ein ohnehin immer teurer werdendes System lediglich mit zusätzlichem Geld zu stabilisieren? Denn genau das kann nicht die Lösung sein.

Thomas Eisenreich

Prof. Dr. med. Jürgen Windeler

Kommentare: Digital-Aktionismus im Blindflug

Sie scheinen sich zum magischen Allheilmittel für Probleme im Gesundheitssystem zu entwickeln: Digitalisierung und Prävention in aller Munde. Angefangen von den Diskussionen über Zucker-, Alkohol- und Tabaksteuer vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Vorschläge, Initiativen und Kampagnen ins Gespräch gebracht werden, so auch eine „Präventionsoffensive“ mit „Mentalitätswandel“ aus dem BMG. Und in diese Überlegungen hinein platzt eine Pressemitteilung des GKV-Spitzenverbandes (GKV-SV): „Datengestützte Prävention wirkt“! In einem ergänzenden Ergebnispapier werden „erste Erkenntnisse“ aus der Anwendung des § 25b SGB V präsentiert.

Prof. Dr. Jürgen Windeler

Cara Müting
Rosemarie Wehner

Kommentare: Betriebsmodell Gesundheitssystem grundlegend neu ordnen

Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz soll die Finanzen stabilisieren. Doch ohne ein übergeordnetes Zielbild für ein nachhaltiges und solidarisches Versorgungssystem zahlen wir den Preis an anderer Stelle.

Cara Müting, Rosemarie Wehner