Parlamentarischer Abend der mkk: Prävention soll ins Grundgesetz
Die Gesprächsrunde: Inga Bergen (Moderation), Andrea Galle (mkk - meine krankenkasse), Ingo Froböse (Deutsche Sporthochschule Köln), Svenja Stadler MdB (SPD), Ute Teichert (Ministerialdirektorin a.D.), Dennis A. Ostwald (WifOR Institute) (v.l.n.r.)
Für Dennis Ballwieser (Apotheken Umschau) muss Prävention aus der Nische raus.
Katharina Graffmann-Weschke (Stiftung UPD) und Bernd Wohlfarth (Charité)
Johannes Wagner MdB (Grüne) wirbt für Prävention.
Svenja Stadler MdB (SPD) ist überzeugt, dass die Zuckersteuer kommt.
Ein Wiedersehen ehemaliger Kolleginnen: Elke Bruns-Philipps (BMG) (l.) und Ute Teichert (Ministerialdirektorin a.D.)
Dennis A. Ostwald (WifOR Institute) forscht zur Bedeutung von Gesundheitsinvestitionen.
Ute Teichert (Ministerialdirektorin a.D.) sieht Defizite in der Gesundheitskommunikation.
TV-Arzt Johannes Wimmer im Gespräch mit Moderatorin Inga Bergen
Anne-Kathrin Klemm (BKK DV) mit Georg Ralle (Vision Zero)
Maria Herrmann (Krisenchat) (l.) und Svenja Stadler MdB (SPD)
Cornelia Wanke (Spitzenfrauen Gesundheit), Laura Henrich (Klenico), Pia Nothing (Novartis), Nicole Stelzner (Gilead), Sandy Doehler (mkk – meine krankenkasse) (v.l.n.r.)
Fordern Prävention im Grundgesetz mit einer Petition: Andrea Galle (mkk – meine krankenkasse) und Ingo Froböse (Deutsche Sporthochschule Köln)
Udo Schauder (Im Puls. Think Tank Herz-Kreislauf e.V) mit Ute Teichert (Ministerialdirektorin a. D.)
Die Petenten mkk-Vorständin Andrea Galle und Sportwissenschaftler Ingo Froböse
Es kommt nicht oft vor, dass sich eine Krankenkassenvorständin und ein Sportwissenschaftler zusammentun – und dann gleich das Grundgesetz ins Visier nehmen. Doch genau das passiert bei der Kampagne „Prävolution jetzt: Gesundheit gehört ins Grundgesetz“. 30.000 Unterschriften sollen her. Beim parlamentarischen Abend der mkk – meine krankenkasse im Berliner Ayoka wird dafür mit Nachdruck geworben.
Andrea Galle, Vorständin der mkk – meine krankenkasse, und Ingo Froböse, einer der bekanntesten deutschen Sportwissenschaftler und Präventionsexperten von der Deutschen Sporthochschule Köln, geben sich kämpferisch. „Wir gehen ganz oben ins Regal“, sagt Galle. Drei Jahrzehnte an der Spitze einer Krankenkasse haben bei ihr Spuren hinterlassen – vor allem eine Entwicklung: steigende Krankmeldungen, Jahr für Jahr. „Wo ist die Abbiegespur?“, fragt sie. Klar ist für sie: So kann es nicht weitergehen.
Froböse denkt weiter. „Wo bleiben eigentlich die Menschen?“, fragt er. Statt über Lebensweisen werde fast nur über das System diskutiert. Der Blick sei zu technisch, zu wenig auf den Einzelnen gerichtet.
Die Idee zur Kampagne entstand, wie Galle erzählt, bei einem Treffen in Heidelberg. Ihr Vorschlag damals: „Lass uns etwas machen, was abgelehnt wird.“ Ein Satz, der irritiert – aber genau darauf zielt er ab: maximale Aufmerksamkeit. Prävention, so ihr gemeinsamer Befund, ist zu wichtig, um sie dem Gesundheitssystem allein zu überlassen. Denn das funktioniere heute oft nur noch wie ein Reparaturbetrieb.
Für den Grünen-Bundestagsabgeordneten Johannes Wagner ist der Zeitpunkt günstig. „Es ist gerade wahnsinnig viel Musik in dem Thema“, meint er. Der politische Druck wachse. Doch ohne Druck von außen passiere wenig: „Politik funktioniert nur, wenn sie angetrieben wird.“ Auf seiner Agenda stehen unter anderem eine Alkohol- und eine Zuckersteuer.
Nach Ansicht von Dennis Ballwieser, Chefredakteur der Apotheken Umschau, ist Prävention kein Nischenthema der Gesundheitspolitik. Sie gehöre in die Stadtplanung, in Supermärkte, in Lehrpläne der Schulen, in Kitas. Die eigentliche Herausforderung: Menschen erreichen, die sich bislang nicht für Gesundheit interessieren.
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler arbeitet bereits an einem entsprechenden Konzept. Ein Präventionspapier ist in Abstimmung, die Einführung einer Zuckersteuer für sie nur eine Frage der Zeit: „Wir kommen da nicht herum.“ Die Einnahmen könnten in einen Präventionsfonds fließen – nach norwegischem Vorbild. Gleichzeitig macht sie klar: Der Staat kann nicht alles regeln. Auch Eltern stehen in der Verantwortung.
Ute Teichert, einige Jahre im Bundesgesundheitsministerium als Abteilungsleiterin tätig, sieht vor allem ein Kommunikationsproblem. Die entscheidende Frage sei: „Wie erreicht man diejenigen, die sich bislang nicht angesprochen fühlen?“
Eine Antwort darauf liefert Johannes Wimmer, Arzt und einer der bekanntesten Gesundheitskommunikatoren: „Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.“ Mit erhobenem Zeigefinger komme man nicht weit – schon gar nicht gegen die Verlockungen der Lebensmittelindustrie. „Kinderschokolade ist ein harter Gegner“, sagt er trocken.
Der Abend zeigt: Die Diagnose ist gestellt, der Wille zur Veränderung spürbar. Jetzt fehlt vor allem eines – genug Druck, damit aus der „Prävolution“ mehr wird als ein Schlagwort.
Drei Verbände, drei unterschiedliche Botschaften – und doch ein gemeinsames Anliegen: Gegenüber der Politik lässt sich mehr erreichen, wenn man geschlossen auftritt. Wie gut das funktionieren kann, zeigte der gemeinsame parlamentarische Abend von Hartmannbund, Berufsverband der Deutschen Chirurgie (BDC) und PVS-Verband.
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