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Zukunftsprogramm Krankenhaus – Zukunftsaufgabe Digitalisierung

Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG)

Die Corona-Pandemie hat unsere Gesellschaft auf den Kopf gestellt. Home-Schooling, Home-Office, Lockdown und Ausgangsbeschränkungen bestimmten plötzlich das Leben. Und in allen Bereichen des Lebens wurde klar, dass das Wort Digitalisierung zwar schon Bestandteil von politischen Programmen, aber nicht von Lebenswirklichkeit geworden ist. Der Zustand in deutschen Schulen macht deutlich, dass gerade im Bildungssystem Digitalisierung nicht auf dem Stand ist, den wir unbedingt brauchen. Zugleich hat die Corona-Pandemie Digitalisierungsprozesse angeschoben. Plötzlich war Home-Office in Bereichen Alltag, in denen dies vor wenigen Monaten noch undenkbar gewesen wäre. Chancen und Defizite wurden also durch diese Pandemie offengelegt. Und auch im Krankenhausbereich musste man feststellen, dass die Digitalisierung bei weitem nicht den notwendigen Stand erreicht hat. Dieser Zustand ist Resultat einer über Jahrzehnte hinweg nicht ausreichenden Investitionspolitik.

Werfen wir einen Blick auf den Bereich des „Zukunftsprogramms Krankenhaus“, der sich der Digitalisierung widmet. Es ist ein guter Schritt der Bundesregierung, aber wir brauchen auch Planungssicherheit und damit Nachhaltigkeit bei der Investitionsfinanzierung. Wir begrüßen ausdrücklich, dass der Gesetzgeber mit dem Zukunftsprogramm den Fokus auf die Digitalisierung legt. Der Ausbau der Digitalisierung deutscher Krankenhäuser ist eminent wichtig, um unser Gesundheitssystem zukunftssicher aufzustellen. Mit den drei Milliarden Euro aus Bundesmitteln für eine gezielte Förderung von Digitalisierungsvorhaben ist ein wichtiger Schritt auf diesem Wege getan. Aber der Weg ist weit.

Unzureichende Investitionsmittel

Wir sehen uns hier ein wenig in der Rolle des ewigen Nörglers, weil wir seit Jahren die unzureichenden Investitionsmittel beklagen. Übrigens ein Thema, bei dem wir uns mit den Krankenkassen einig sind und das ja auch der Bundesgesundheitsminister im Vorspann des Gesetzes zum Zukunftsprogramm auf den Punkt bringt. Da ist es auch an der Zeit, politische Fortschritte zu begrüßen. Einige Bundesländer haben die Mittel bereits aufgestockt, und dazu kommt noch das Zukunftsprogramm auf Bundesebene. Allerdings können wir die Politik weder auf Bundes- noch auf Länderebene komplett aus der Verantwortung entlassen. Denn auch diese Verbesserungen sind noch nicht ausreichend. Auch wenn der generelle Fokus und Ansatz des Zukunftsprogramms gut und richtig sind, gibt es doch einzelne Punkte, die wir in ihrer Ausprägung  nicht für sinnvoll halten. Der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

Fangen wir im Finanzierungsbereich direkt an: Der Gesetzgeber sieht vor, dass sich die Krankenhausträger an den Kosten beteiligen müssen. Das widerspricht den grundlegenden Überlegungen zur dualen Krankenhausfinanzierung. Die Investitionsmittel können eben nicht aus den Betriebsmitteln erwirtschaftet werden. Hinzu kommt, dass die wirtschaftliche Situation von weit mehr als 60 Prozent der Krankenhäuser hoch problematisch ist. Wie soll eine Klinik, die rote Zahlen schreibt, Investitionsmittel aufbringen? Hier muss dringend nachgebessert werden.

Sanktionen für Krankenhäuser – falscher Weg

Für uns gar nicht nachvollziehbar ist die Idee, Krankenhäuser zu sanktionieren, wenn sie keine ausreichenden digitalen Dienste vorhalten. Ein solcher Sanktionsmechanismus wäre nur dann sinnvoll, wenn Kliniken kein Interesse  an der eigenen Digitalisierung hätten. Das ist aber nicht der Fall. Es fehlen schlicht die Mittel. Deshalb: Ein Krankenhaus dafür zu bestrafen, dass es nicht die Mittel hat, um seine Digitalisierung voranzutreiben, ist kontraproduktiv. Wir brauchen vielmehr einen Zuschlag, um einen echten Digitalisierungsanreiz zu schaffen.

Wir verstehen das Ziel des Gesetzgebers, die Wirksamkeit der Maßnahmen über eine Evaluierung des digitalen Reifegrades zu ermitteln. Noch ist aber unklar, welche Reifegradmodelle sind überhaupt anerkannt und sind sie auf das Versorgungssystem in Deutschland adäquat abbildbar? Wir brauchen also praxisgerechte Modelle. Bei Auswahl, Bewertung und Weiterentwicklung möglicher Modelle stehen wir gerne bereit um zu helfen.

Digitalisierung ist so viel mehr als nur eine elektronische Gesundheitskarte. Digitalisierung kann den Krankenhäusern die Möglichkeit bieten, Arbeitsprozesse zu optimieren, spannende moderne Arbeitsplätze zu schaffen, Arbeitsbelastung zu minimieren und Bürokratie abzubauen. Denken Sie nur an eine vollautomatisierte Medikamentenversorgung. Von der Verordnung in die digitale Patientenakte über die Wechselwirkungskontrolle bis hin zur patientenbezogenen Verblisterung.

Allein dieses Beispiel macht deutlich, dass kein Krankenhaus Interesse daran hat, solche Prozesse zu verhindern. Nutzen wir also das Zukunftsprogramm Krankenhaus, um unbürokratisch und schnell einen  echten Digitalisierungsschub zu schaffen.

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