Spätestens seit der Corona-Pandemie ist den meisten Menschen klar, welche Bedeutung Arzneimittel für die Gesunderhaltung des Einzelnen und die Funktionsfähigkeit einer Volkswirtschaft insgesamt haben. Insbesondere Impfstoffe und COVID-19-Therapeutika für die vielen Erkrankten weisen uns den Weg aus der Krise und zurück in die Normalität.
Viele Pharmaunternehmen, wie auch das, für das ich arbeite,bieten Lösungen für die Behandlung von oder den Schutz vor COVID-19 an. Viele investieren massiv in die Erforschung weiterer Lösungsansätze, sei es durch neue Wirkstoffe oderdurch die Weiterforschung an bekannten Wirkstoffen. Doch trotz der unübersehbaren Präsenz und Bedeutung der Pandemie sollten wir unsere Perspektive über COVID-19hinaus erweitern: Auch für viele seltene oder anderweitig nicht ausreichend behandelbare Erkrankungen, wie z.B. Krebs, forscht die pharmazeutische Industrie nach Lösungen.
Es freut mich sehr, dass die Gesellschaft dieses Wirken zunehmend wahrnimmt und schätzt. Eine repräsentativeUmfrage des BPI zeigt: Den Bürgerinnen und Bürgern ist gerade die Pharmaindustrie als Problemlöser in der gegenwärtigen Situation deutlich wichtiger geworden. Mehr als zwei Drittel (76 Prozent) gaben dies an und dieser Rückenwind ist uns wichtig. In den Unternehmen unserer Branche leisten täglich viele Tausend Menschen ihren Beitrag zur Gesundheitsversorgung. Sie alle sind sich ihrer hohen Verantwortung bewusst und werden angetrieben von dem Wunsch, spürbare Verbesserungen für Patientinnen und Patienten zu erwirken.
Investitionen in Arzneimittel: Gut für den Standort Deutschland
Die pharmazeutische Industrie ist nicht nur ein stetiger Garant für die Versorgung mit Innovationen und Basistherapeutika, sie ist auch ein wichtiger volkswirtschaftlicher Faktor. Mit mehr als 140.000 Beschäftigten ist die pharmazeutische Industrie ein bedeutender Arbeitgeber und eine bedeutsame Säule des Innovationsstandorts Deutschland. Ihre Bedeutungfür die deutsche Wirtschaft resultiert nicht nur aus den direkten, sondern auch aus den indirekten und induzierten Wertschöpfungseffekten: Investitionen in Arzneimittel lösen eine Vielzahl von Effekten in angrenzenden Bereichen aus.Ein Euro Bruttowertschöpfung bewirkt 0,47 Euro indirekte Bruttowertschöpfung in den Vorleistungsindustrien. Jeder Arbeitsplatz in der Gesundheitswirtschaft sichert 0,35 indirekte Arbeitsplätze in den Vorleistungsindustrien. In Deutschland investierten die pharmazeutischen Unternehmen in Deutschland im Jahr 2019 zudem über 2,2 Milliarden Euro in Gebäude, Maschinen und Anlagen.
Die Politik ist daher gut beraten, einen holistischen Blick auf die Bedeutung der pharmazeutischen Industrie zu legen – und dies gerade in Deutschland, wo es einem Mix von großen, mittleren und kleinen Unternehmen, den berühmten „Mittelstand“ im Pharmabereich in besonderer Weise gibt. Beiden pharmazeutischen Unternehmen handelt es sich sowohl um standortorientierte und eigentümergeführte Unternehmen als auch um deutsche Niederlassungen multinationaler Konzerne. Nach wie vor gilt, dass fast 91 Prozent der Arzneimittel herstellenden Unternehmen in Deutschland weniger als 500 Mitarbeiter beschäftigen. 223 von diesen Unternehmen hatten 2018 weniger als 20 Beschäftigte. Die Pharmabranche ist damit ein Spiegel der deutschen Wirtschaftsstruktur. Von Investitionen in Pharma profitiert auch Deutschland als Wirtschaftsstandort.
Pharma ist der Weg aus der Krise
In jedem Fall hat die COVID-19 Pandemie gezeigt:Arzneimittel- und Impfstoffhersteller sind echte Problemlöser!Das gilt in Krisenzeiten und darüber hinaus. Vor dem Hintergrund des Wertes neuer, innovativer Therapieansätze stimmen Sie mir sicherlich zu: Auch in der Zukunft brauchen wir in Deutschland ein langfristig tragbares Gesundheitssystem, dass eine gute Balance beibehält zwischen Sicherheit der Patienten und Geschwindigkeit beim Zugang zu Innovationen, zwischen Finanzierbarkeit und Anerkennung von Forschung und Innovation. Deutschland ist zu Recht stolz auf sein Gesundheitssystem und den vielfältigen Möglichkeiten für Patienten, früh und breit von den Früchten der Forschung profitieren zu können. Dieses Privileg gilt es zu verteidigen.
Nicht alles, was neu ist, ist gut. Aber auch nicht alles, was Bestand hat, ist automatisch besser. Wenn verhindert werden soll, dass die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung weiter steigen, werden Reformen unvermeidlich sein. Für die kommenden Jahre werden milliardenschwere Finanzierungslücken erwartet. Gleichzeitig entsteht schnell der Eindruck, jede Einsparung im Gesundheitswesen führe zwangsläufig zu einer Verschlechterung der Versorgung. Doch diese Gleichung greift zu kurz.
Wie können wir die Finanzierung der Gesundheit sichern? Derzeit gibt es kaum eine drängendere Frage im deutschen Gesundheitssystem. Im Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) spielt der Wettbewerb als Mittel für ein effizienteres und wirtschaftlicheres System jedoch eine viel zu geringe Rolle. Während die FinanzKommission Gesundheit noch zahlreiche Maßnahmen zur Stärkung des Wettbewerbs vorschlug, blieb davon im Gesetz nur wenig erhalten.
Die Redewendung von der Karotte vor der Nase ist bekannt. Sie beschreibt ein Versprechen, das Bewegung erzeugen soll: Wer sich anstrengt, soll die Aussicht bekommen, dem Ziel näherzukommen. In mancher Variante kommt noch der Stock hinzu. Die Karotte steht für die Belohnung, der Stock für die Bestrafung. Genau dieses Bild drängt sich bei aktuellen Vorschlägen der unparteiischen Mitglieder des G-BA zum Medizinregistergesetz (MRG) auf.