Eigentlich ist zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz derzeit alles gesagt – von der Bundesgesundheitsministerin ebenso wie vom Vorstandsvorsitzenden des GKV-Spitzenverbandes. Aber Reden gehören zum Sommerfest des GKV-Spitzenverbandes nun einmal dazu. Also wurde noch einmal wiederholt, bekräftigt und gegenseitig versichert, wie wichtig Kommunikation gerade jetzt ist.
Seinen ersten Auftritt als Hausherr nutzte Oliver Blatt denn auch wortreich. Man müsse in den Austausch treten, im Dialog bleiben – nicht übereinander, sondern miteinander reden. Gemeinsam getragene Lösungen seien mit Blick auf die GKV-Reform erforderlich. So recht glauben will man daran derzeit nicht. Die Auseinandersetzungen seien scharf und hitzig, wie Blatt formulierte, begleitet von Abwehrhaltung und auch Drohungen. Haben wir es uns womöglich zu lange zu bequem gemacht, fragte Blatt. Ihm fehle der Blick über den Tellerrand.
Dass sich der Bund der eigenen finanziellen Verantwortung entziehe oder, wie Blatt es öffentlich immer wieder gern sagt, „sich einen schlanken Fuß macht“, finde er befremdlich – nett ausgedrückt. Vertrauen werde verspielt. Die von der Bundesgesundheitsministerin fast schon mantraartig wiederholte Formel, „jeder Bereich müsse einen Beitrag leisten“, verfängt kaum noch.
Auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hielt es jetzt für „ganz wichtig“, das Gespräch zu suchen. Die GKV als Grundpfeiler des Sozialstaates müsse wieder in eine gute finanzielle Situation geführt werden. In den vergangenen Jahren sei wenig auf ein stabiles Fundament der GKV geachtet worden. Warum? Warken vermutete: wegen der vielen Diskussionen, wegen des Ärgers, der mit einem solchen Spargesetz kommt. Das BMG habe sich bemüht, „einen möglichst breiten Ansatz zu finden, wo jeder seinen Beitrag leistet“. Das sei nicht unmöglich, wie Warken betonte. Die CDU-Politikerin sagte: „Und dann findet man vielleicht den ein oder anderen Vorschlag auch schon gar nicht mehr so gut. Trotzdem muss es sein.“
Der Bund müsse seinen Beitrag leisten, sagte sie erneut. „Natürlich, wenn alle betroffen sind, wenn alle betroffen sein müssen, muss auch der Bund seinen Anteil leisten. Und das habe ich immer gesagt“, meinte Warken. Doch zum jetzigen Zeitpunkt sei nicht mehr drin gewesen – die angespannte Haushaltslage eben. Vor der Sommerpause soll die Gesetzgebung unter Dach und Fach sein.
Uwe Klemens, Verwaltungsratsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, hielt sich an diesem Abend mit deutlichen Worten zurück. Als Pfälzer wolle er den Pfälzer Josef Hecken, bis Ende Juni unparteiischer Vorsitzender des G-BA, in den Ruhestand verabschieden und ihm für seine Arbeit danken. Oliver Blatt hatte dies zuvor bereits getan. Und Hecken? Ihm ging das Geklatsche sichtlich nah. Viele stürzten auf ihn zu, reichten ihm die Hand, umarmten ihn noch einmal.
Die Kommunikation galt an diesem Abend dann vor allem Sonja Optendrenk, ab 1. Juli neue unparteiische Vorsitzende des G-BA. Optendrenk ist in der Szene keine Unbekannte. Viele Jahre war sie im Bundeskanzleramt, im BMG und zuletzt im hessischen Gesundheitsministerium tätig. Zahlreiche Gäste scharten sich sogleich um sie. Kommuniziert wurde an diesem Abend also umfassend – bei kalten Getränken, gutem Essen und hohen Temperaturen. Es galt: sehen und gesehen werden – von den Promis der Szene, und von denen, die sich bereits auf dem Weg dorthin wähnen.
Fina Geschonneck