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Digitalisierung auf die emotionale Art: Wenn der Herzschlag zum Wiegenlied wird…

Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK)

Rund 8.000 Babys kommen in Deutschland jedes Jahr mehr als zehn Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin auf die Welt. Diese Kinder müssen viel Zeit in sogenannten Brutkästen verbringen. Die Geräte helfen den Neugeborenen zwar, die Körpertemperatur und wichtige Vitalfunktionen zu überwachen und zu halten, doch der für ihre Entwicklung so wichtige Körperkontakt ist dort nur eingeschränkt möglich. Das will eine neu entwickelte bionische Hightech-Matratze namens Babybe ändern. Entwickelt von einem gleichnamigen Start-up-Unternehmen, vermittelt die Matratze in der künstlichen Welt des Inkubators das Gefühl von echter Körpernähe und elterlicher Geborgenheit.

Mithilfe der digital vernetzen Gel-Matratze können die Eltern und das Baby Zeit und Raum überwinden. Durch ein schildkrötenförmiges Gerät, das sich die Eltern auf den Oberkörper legen, werden die Stimme, der Herzschlag und die Atembewegungen aufgenommen und per Funk in Echtzeit auf die Hightech-Gelmatratze, auf der das Frühchen liegt, übertragen. Mittels Luft und kleiner Lautsprecher wirken die Herztöne und die Stimmen der Mutter oder des Vaters positiv auf den Säugling ein. Dank der Weiterleitung der am elterlichen Körper gemessenen Werte bekommt das Frühchen so auch im Brutkasten das Gefühl von Geborgenheit und Körpernähe der Eltern. Zusätzlich können die Daten gespeichert und erneut abgespielt werden. Das neue Gerät verhindert so ein Abreißen der Verbindung zwischen Mutter und Kind, auch wenn dieses alleine im Brutkasten liegt. So ist beispielsweise während einer Untersuchung der Mutter gesichert, dass ihr Frühchen weiterhin ihre Nähe spüren kann. Das gibt nicht nur dem Baby ein gutes Gefühl - auch die Sorgen der Eltern können dadurch verringert werden. So wissen die Eltern ihr Kind nicht nur medizinisch in guten Händen, sondern auch im Hinblick auf die psycho-soziale Entwicklung.

Digitale Innovation mit Engagement und Herz

Als Techniker Krankenkasse haben wir es uns zum Ziel gesetzt, das Gesundheitssystem in Deutschland voranzutreiben und aktiv mitzugestalten. Mit innovativen und digitalen Produkten leistet die TK ihren Beitrag dazu, die Gesundheitsversorgung in vielen Bereichen zu verbessern. Dafür haben wir Programme ins Leben gerufen, die genau solche innovativen Ideen fördern und fordern – wie zum Beispiel den TK-Accelerator. Aber auch andere Initiativen haben wir in diesem Bereich gestartet – etwa ein Start-up Portal mit Services und Informationen für Existenzgründer oder die Health-i-Intiative, um Talente in den Bereichen Gesundheit und Gesundheitswirtschaft aufzuspüren. So steht die TK Start-ups mit Know-how und Ressourcen zur Seite, damit innovative Ideen schneller zu neuen Versorgungsprodukten reifen können. Durch das gemeinsame Projekt der TK, des Stuttgarter Start-up und acht Kliniken in Deutschland kann so die Versorgung von Frühchen verbessert werden. Babybe ist damit ein sehr gutes Beispiel, wie emotional Digitalisierung sein kann. Ich bin überzeugt, dass das System das Potenzial hat, Frühgeborenen von Anfang an eine bessere Versorgung zu sichern.

Die TK als Türöffner

Im Rahmen der Kooperation von der TK, dem Start-up und den Kliniken geben wir zwar einen Zuschuss für die Anschaffung der Matratzen und die Teilnahme an einer wissenschaftlichen Studie. Entscheidender für den Erfolg des Projekts dürfte allerdings unser Engagement als Türöffner für das junge Start-up sein. Acht Geburtskliniken der Maximalversorgung (sogenannte Level-1-Kliniken) konnten wir so in den verschiedensten Teilen unserer Republik für das Projekt gewinnen. Die Häuser verpflichteten sich im Rahmen der Kooperation, Daten für eine multizentrische wissenschaftliche Studie mit mehr als 200 Frühgeborenen zu liefern. Erste Auswertungen im Rahmen der Produktzulassung lassen vermuten, dass die intensivere emotionale Bindung zwischen Frühchen und Eltern sowohl die Atemfrequenz senkt als auch die Gewichtszunahme beschleunigt. Die im Rahmen der Kooperation durchgeführte multizentrische Studie soll hier fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse bringen. Geleitet wird sie vom Direktor der Klinik für Neonatologie der Universitätsmedizin Mannheim, Professor Dr. Thomas Schaible, und dem Leiter der Neonatologie der Universitätsklinik Frankfurt a. M., Professor Dr. Rolf Schlößer.

Ich bin gespannt auf die Ergebnisse und zuversichtlich, dass wir mit dem Projekt in Zukunft noch mehr Frühchen den Start ins Leben erleichtern können.

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