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Empathie – stärkster Motor der Tätigkeit am sterbenden und schwerstkranken Menschen

Ergebnisse des Forschungsprojektes „Ehrenamtlichkeit und bürgerschaftliches Engagement in der Hospizarbeit“

Prof. Dr. Winfried Hardinghaus, Vorsitzender des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands (DHPV)

Die Hospizbewegung als „soziale Bewegung“ hat in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten zu einem menschenwürdigeren Umgang mit Sterbenden und ihren Angehörigen beigetragen. Tragender Boden dieser Veränderung ist die Ehrenamtlichkeit. Auch diese hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Bisher wurde dem Komplex der Ehrenamtlichkeit allerdings wenig wissenschaftliche Aufmerksamkeit geschenkt. Um wichtige Grundlagen für die weitere Entwicklung und Ausdifferenzierung des Engagements in der Bevölkerung für sterbende Menschen zu schaffen, bedurfte es dringend einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung. Hier setzt die vom Deutschen Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) initiierte und geförderte Verbundstudie "Ehrenamtlichkeit und bürgerschaftliches Engagement in der Hospizarbeit – Merkmale, Entwicklungen und Zukunftsperspektiven" an. Die Ergebnisse wurden jetzt während eines Symposiums präsentiert.

Das Forschungsziel bestand für die Praxis u.a. darin, ehrenamtliche Arbeit und damit die Hospizvereine als Organisationsform bürgerschaftlichen Engagements zu stärken. Dazu haben die Teilprojekte der Studie Fragen zu Einstellungen in der Bevölkerung zur ehrenamtlichen Unterstützung Sterbender, die Sicht von Hausärzten und Pflegediensten, die Erfahrung Ehrenamtlicher sowie den Zusammenhang von Ehrenamt und Zugangsgerechtigkeit verfolgt.

Die Forschergruppe mit Professor Wolfgang Schneider, Augsburg, Professor Thomas Klie, Freiburg, Professor Reimer Gronemeyer, Gießen, Professor Andreas Heller, Graz, kommt dabei zu interessanten Ergebnissen. Fast ein Fünftel der Bevölkerung (17 Prozent) und damit weit mehr Menschen, als bisher ehrenamtlich in der Hospizarbeit engagiert, können sich vorstellen, Schwerstkranke und Sterbende am Lebensende zu begleiten. Der Wandel im Ehrenamt muss, so eine Forderung, hin zu mehr Heterogenität und Offenheit in der hospizlichen Struktur, wie Organisationskultur und in der ehrenamtlichen Praxis vorangetrieben werden.

Zwar versteht sich Hospizarbeit als offen für jeden, der sich ehrenamtlich engagieren möchte. Trotzdem ist, so zeigt die Studie, Hospizarbeit einerseits nach wie vor weiblich und mittelschichtbasiert und wird – immer noch – überwiegend von Frauen in der späten Erwerbs- bzw. Nacherwerbsphase getragen. Andererseits werden bisher überwiegend Menschen der gesellschaftlichen Mitte begleitet, obwohl sich Hospizarbeit als Unterstützungsangebot grundsätzlich an jeden richtet, der Hilfe in der existenziellen Lebenskrise von schwerer Krankheit und Sterben benötigt. Laut Studie wünscht sich ebenfalls fast ein Fünftel der Befragten (18 Prozent) eine ehrenamtliche Sterbebegleitung für ihre Angehörigen und Freunde. Wichtige Schlüsselpersonen für die Vermittlung von Hospizangeboten sind aber auch und vor allem Ärzte und Pflegedienste. Das geschieht bisher viel seltener, als möglich und erforderlich – hier braucht es mehr Bewusstsein für das Ehrenamt und umfangreiches Wissen über einander.

Insgesamt zeigt sich in der Untersuchung, dass ein Wandel hin zu einem das bestehende Angebot ergänzenden, neuen, d.h. bunteren, vielfältigeren und flexibleren Ehrenamt noch am Anfang steht. Hier sind auch die Bedeutung von Nachbarschaften und Freundschaften sowie eine Öffnung der Tätigkeiten und Möglichkeiten für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen und Schichten beziehungsweise Milieus in den Blick zu nehmen.

Das Symposium mit zahlreichen ehren- und auch hauptamtlichen Mitarbeitern aus der Hospiz- und Palliativversorgung war durchaus ein weiterer Aufschwung für den Deutschen Hospiz- und PalliativVerband in der Unterstützung des Ehrenamtes – seit jeher eines unserer bedeutendsten Kernthemen. Wir haben vereinbart, im Herbst dieses Jahres nach Veröffentlichung des Gesamtforschungsberichts mit allen seinen Details, eine Task Force zu gründen. Diese wird dafür da sein, zeitnah die Ergebnisse der Studie weiter auszuwerten, auf Konsequenzen zu überprüfen und deren praktische Umsetzungen anzustoßen oder einzuleiten; auch in politischer Hinsicht, denn das Ehrenamt ist immer auch ein wichtiger Baustein unseres gesamtgesellschaftlichen Auftrags am Lebensende.

Wir werden weiterhin im Dialog bleiben mit den verschiedensten Akteuren, mit den Forschern, aber auch mit den Ehren- und Hauptamtlichen aus Praxis und der Basis, mit unseren mehr als 1.300 Einrichtungen, unseren 16 Landesverbänden u.a. Wir haben weitere Projekte ins Auge gefasst, wie zur Heterogenität des Ehrenamtes (z. B. Gewinnung von Jugendlichen, ehrenamtliche Versorgung unterer Schichten). Zusätzliche Aufgabe wird es sein, neue ideologische Impulse zu setzen, diese ggf. international zu vergleichen sowie eine Anerkennungskultur bezogen auf das Ehrenamt, die auch Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey fördern will, zu unterstützen. Unser traditionelles Projekt "Hospiz macht Schule" wollen wir bei den älteren Jahrgängen in der Bevölkerung hinsichtlich der Platzierung des Themas Ehrenamt in den Blick nehmen.

Ich bleibe dabei: Für jeden von uns bleibt die hospizliche Empathie der stärkste Motor unserer Tätigkeit am sterbenden und schwerstkranken Menschen – nicht zuletzt, wenn wir diese Haltung anderen vorleben und dadurch zur Ehrenamtlichkeit motivieren können.

 

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