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Vision Zero – gemeinsam gegen Krebs

Daniel Bahr, Bundesminister a.D.

Krebs wirkt wie ein Brennglas für das Gesundheitswesen. Mit gebündeltem Fokus nimmt der Verein Vision Zero die Probleme und Potenziale der Onkologie in den Blick. Im Vorstand des Vereins wirkt ein Bundesgesundheitsminister a.D. mit. Neben seiner Führungsposition bei der Allianz PKV AG engagiert sich Daniel Bahr für Vision Zero. Wir haben Daniel Bahr eingeladen, seine Motivation zu erläutern:

Der gemeinnützige Verein Vision Zero wurde 2019, zeitgleich mit der Nationalen Dekade gegen Krebs, gegründet und setzt sich nachdrücklich dafür ein, die Zahl der vermeidbaren, krebsbedingten Todesfälle gegen Null zu bringen. Diese große Vision hat eindrucksvolle Vorbilder in den Bereichen Arbeitsschutz, Luftfahrt und Straßenverkehr. In diesen Lebensbereichen bestanden ähnlich komplexe Herausforderungen wie im Gesundheitswesen. Trotzdem war es möglich, mit einer Vielzahl von kleinen und großen Schritten innerhalb von wenigen Jahrzehnten für unmöglich gehaltene Erfolge in der Prävention zu erreichen. So wurde die Zahl der Verkehrstoten seit den 1970er Jahren bis heute um mehr als 90 Prozent reduziert: von knapp 30.000 Todesfällen auf knapp 3.000 Todesfälle in 2024 und das bei deutlich intensiverem Verkehr. 

Vorbilder

Die Vorbilder in diesen Bereichen geben uns die Überzeugung, dass wir auch in der Onkologie erfolgreich sein können, wenn wir es nur wollen. Indem wir alles daransetzen, jede vermeidbare Krebserkrankung auch wirklich zu vermeiden, vor allem durch Vorsorge und Prävention. Hierzu gilt es, alle Kräfte zu bündeln und gemeinsam und konzentriert auf dieses Ziel hinzuarbeiten. Ein Blick in das Resilienzgutachten des Sachverständigenrat Gesundheit zeigt, wo wir in der Gesundheitspolitik jetzt ansetzen sollten: hin zu einer wirklich nachhaltigen, intelligenten Vorsorge und risikoadaptierten Prävention. Oder wie schon Hippokrates sagt: „Vorbeugen ist besser als heilen!“ Das gilt in besonderer Weise für die Onkologie, wo nach Berechnungen des DKFZ Deutsches Krebsforschungszentrum in Heidelberg, bis zu 50 Prozent aller Krebsneuerkrankungen vermieden werden könnten, wenn ein „Masterplan“ entwickelt würde, eine gemeinsame Plattform aller relevanten „Player“, die eine nachhaltige und vorbeugende Verbesserung der Krebsbekämpfung in bundesweit umsetzt. 

Vision Zero heiß auch, jeden Stein herumdrehen, endlich die Digitalisierung als den Generalschlüssel für ein innovatives Gesundheitssystem voranbringen und die Patient:innen bei allem, was wir tun, konsequent in den Mittelpunkt unserer Überlegungen und unseres Handelns zu stellen. So wie in den erfolgreichen Vision Zero-Ansätzen in anderen Lebensbereichen kann auch in der Krebsmedizin ein Schwenk vom hinterherlaufenden „Reparaturbetrieb“ zur vorbeugenden „Wartung“ und intelligenten Prävention gelingen. 

Erfolgreiches Engagement bei konkreten Projekten

Die HPV-Impfung ist eines der wichtigsten und erfolgreichsten Maßnahmen der Krebsprävention, die wir in der Kinder- und Jugendmedizin zur Verfügung haben. Dennoch gelingt es uns in Deutschland nicht, ausreichend viele Kinder und Jugendliche gegen HPV-induzierte Krebserkrankungen zu impfen, im Gegensatz zu unseren europäischen Nachbarn, wo Impfquoten von bis zu 80 Prozent erreicht werden und damit Erkrankungen wie Gebärmutterhalskrebs etc. in Zukunft sicher vermieden werden können. In Zusammenarbeit mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sowie dem DKFZ in Heidelberg hat Vision Zero deshalb umfangreiches Informationsmaterial erarbeitet, das sich sowohl an Kinder- und Jugendärzte, als auch an Eltern richtet. In breit angelegten Kampagnen machen wir auf die Sicherheit und den hohen Schutz der Impfung aufmerksam und werben nachdrücklich dafür, Kinder und Jugendliche rechtzeitig zu impfen. Nicht zuletzt deshalb, weil wir unsere Verantwortung für die Gesundheit der jungen Generation unbedingt ernst nehmen sollten. 

Vision Zero finanziert sich über Spenden und Mitgliedsbeiträge, die direkt für die verschiedenen Projekte wie z. B. HPV-impfen eingesetzt werden. Unsere Mitglieder bringen sich regelmäßig durch Ideen und Anregungen zu konkreten Projekten ein und tragen außerdem zur intensiven Vernetzung aller Kompetenz- und Entscheidungsträger in der Onkologie, sowie im gesundheitspolitischen Berlin bei. Im Mittelpunkt unserer Aktivitäten steht stets die Frage, wie kann Krebs verhindert werden und wie können Patient:innen schneller vom medizinischen Fortschritt profitieren. 

Krebs-Masterplan

Um Krebs zu verhindern und die Versorgung vom Menschen mit Krebs weiter zu verbessern, und gleichzeitig den Gesundheitswirtschaftsstandort Deutschland voranzubringen und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, plädieren wir nachdrücklich für einen Krebs-Masterplan mit 6 zentralen Aufgabenbereichen: 

  1. Die Gesundheitswirtschaft Deutschland nachhaltig stärken, Stichwort „Willkommenskultur“.
  2. Innovationsfreundliche Markt- und Rahmenbedingungen schaffen.
  3. Den Zugang zu Gesundheitsdaten für Forschung und Entwicklung optimieren.
  4. Die digitale Transformation zügig und mit Nachdruck vorantreiben.
  5. Die Forschung stärker fördern, insbesondere den wissenschaftlichen Nachwuchs.
  6. Die enormen Potentiale von Prävention bei der Krebsbekämpfung heben. 

Das Wachstumspotenzial der auf Innovationen ausgerichteten Gesundheitswirtschaft ist enorm. Durch konsequente Umsetzung dieses sechs-Punkte Plan kann es gelingen, ein Innovations-Ökosystem zu schaffen, um auch in Zukunft „Healthcare Innovation made in Germany“ auf Weltniveau zu schaffen.

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