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Neujahrsempfang Bundeszahnärztekammer, Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung am 30. Januar, Berlin – nach dem SPD-Bundesparteitag, mitten in den Koalitionsverhandlungen

Nein zur Bürgerversicherung, einheitliches Honorarsystem abgelehnt, Stärken der Selbstverwaltung und der niedergelassenen Zahnärzte – auf diesen Nenner lassen sich die Forderungen von Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) bringen. Beim diesjährigen Neujahrsempfang in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft machten BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel und Dr. Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der KZBV, daraus fürwahr keine Hehl. Engel ist sich sicher, dass mit einheitlichem Honorarsystem und Bürgerversicherung ein „großes Übel“ komme. „Es geht um Patientenwohl, Versorgungssicherheit und um die Existenz der Zahnärzte“, so Engel. Patienten von GKV und PKV seien mit der zahnärztlichen Versorgung zufrieden. Wartezeiten gebe es nicht. „Es gibt kein gerechteres Gesundheitswesen als in Deutschland“, so Engel. Statt Geld für einen Systemwechsel auszugeben, müsse das Gesundheitswesen „fitter“ gemacht werden – „nicht mit dem Presslufthammer, sondern mit dem Schraubenzieher“.

Die Redeliste war lang – alle im Bundestag vertretenden Fraktionen wurden um ein Grußwort gebeten. Die Linke sagte ab wegen einer wichtigen Sitzung, hieß es.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Karin Maag, und Schirmherrin der Veranstaltung, die die Einzelheiten bei dem einen oder anderen Croissant mit den Veranstaltern besprochen hat, fand wirklich nur Pluspunkte für die Zahnärzteschaft. Eine Bürgerversicherung wird von der Union abgelehnt. Das hieße: Lähmung für die nächsten zehn Jahre. Doch Anpassung will die Union durchaus. Wie die jedoch aussieht? Das ließ Maag offen. Auf jeden Fall werde der niedergelassene Zahnarzt gebraucht und „die DNA – eine funktionierende Selbstverwaltung“.

Da hatte es der SPD-Gesundheitspolitiker Dirk Heidenblut schon schwerer. Erst einmal wurde gelobt: In der Prävention seien die Zahnärzte „absolute Vorreiter“. Und: Nein, an die Selbstverwaltung wolle die SPD nicht ran. Aber die Bürgerversicherung würde sich doch lohnen wegen eines gerechteren Gesundheitswesens. Fehlende Termine für GKV-Patienten bei Kinderarzt oder Facharzt beklagte er, wie er es aus seinem Wahlkreis in Essen wisse. Bei den Zahnärzten gebe es das nicht, fügte er gleich hinzu. Heidenblut kündigte „gute Lösungen“ an und hoffe, dass er in einem Jahr wiederkomme zum Neujahrsempfang der Zahnärzte. Applaus dennoch.

Prof. Axel Gehrke von der AFD, geehrt von der Einladung, nahm sich die Approbationsordnung der Zahnärzte vor. Sie sei von 1955 und bisher nicht verändert worden. Das sei für ihn doch „sehr verwunderlich“. Im August 2017 lag zwar eine Novellierung vor, die jedoch vom Bundesrat im November wieder einkassiert wurde. Vor Oktober 2018 ist nach Einschätzung von Gehrke mit einer Verabschiedung nicht zu rechnen: „Der Zahnarzt ist der Spezialist in der Medizin, das muss auch in der Aus- und Fortbildung berücksichtigt werden“. Und er versprach den Zahnärzten Unterstützung.

Auch die FDP reicht den Zahnärzten die Hand zur Unterstützung. Christine Aschenberg-Dugnus wurde am Tag des Neujahrsempfangs zur gesundheitspolitischen Sprecherin gewählt, wie auch Maria Klein-Schmeink von den Grünen. Die FDP-Frau Aschenberg-Dugnus sprühte vor Charme und auch Witz. Vier Jahre habe sie Zeit gehabt, die Gesundheitspolitik von außen zu beobachten. Als Frau eines Zahnarztes, seit 34 Jahren verheiratet und zwar glücklich, wie sie betonte, habe sie zudem den besonderen Blick. Es sei ein Erfolg der Zahnärzte, dass die Prävention so gut klappe. Richtung Verhandler der künftigen Regierung sagte sie: „Begraben Sie eine einheitliche Gebührenordnung!“ Auch das Thema Bürgerversicherung sei kein Thema. Falls ihr die Zahnärzte übrigens ein Croissant anbieten würden – nein danke. Sie greife lieber zum Obstsalat.

Maria Klein-Schmeink von den Grünen hing noch der Vergangenheit nach. 2017 habe sie noch die Hoffnung gehabt, die Politik in neuer Konstellation mit zu gestalten. Der Traum ist geplatzt. Ihr liegt nun vor allem „eine gute patientenorientierte Versorgung“ am Herzen, die bezahlbar sei. Gebraucht würden tragfähige Konzepte für die ländliche Versorgung. Freundliche Grußworte seien dies, resümierte Dr. Wolfgang Eßer. Er verlangt stabile, verbindliche Rahmenbedingungen: „Unsere Patienten sind kein Versuchslabor.“ Vielmehr seien Verbesserungen notwendig. So weise der GKV-Leistungskatalog im Kampf gegen Paradontitis doch Lücken auf, notwendige Therapiemaßnahmen seien nicht ausreichend abgebildet. Ein Dialog mit der Politik werde gebraucht, jedoch nicht, „um das System vom Kopf auf die Füße zu stellen“, so die Forderung des KZBV-Vorstandsvorsitzenden.

Gespräche wurden anschließend eifrig geführt – bei gutem Essen, versteht sich. Übrigens: Ein beliebtes Thema unter Männern war das Gewicht, genauer ging es ums Abnehmen. Frauen schweigen darüber. Sie essen ja wie ein Vögelchen oder haben es nicht nötig!

 

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