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Parlamentarischer Abend zum 25-jährigen Bestehen der Systemischen Gesellschaft

Die Systemische Gesellschaft als Dachverband der Systemischen Psychotherapeuten hatte zu ihrem Parlamentarischen Abend in den Leibnizsaal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften eingeladen – und die Gäste aus Politik, Wissenschaft, Verbände und Gesundheitswirtschaft ließen sich nicht lange bitten. Zu feiern gab es das 25-jährige Jubiläum der Systemischen Gesellschaft (SG). Gleichzeitig und vor allem ging es um den intensiven Gedankenaustausch und die Bereitschaft zum Weiterkämpfen: Immerhin wird seit mittlerweile über fünf Jahren um die Zulassung als kassenfinanziertes Psychotherapieverfahren gerungen.

Dr. Ulrike Borst, 1. Vorsitzende SG, berichtete in ihrer Eröffnungsrede von den Anfängen der SG. Gegründet sei die Gesellschaft in Zeiten, als systemtheoretische Ansätze in Medizin, Psychotherapie, aber auch der Biologie und Physik gleichzeitig entstanden seien und zu einer großen Aufbruchsstimmung geführt hätten. Ihre Forderung an die Politik: Die Systemische Therapie müsse zurück in die psychotherapeutische Grundversorgung und Kassenleistung werden. Die Wirksamkeit habe das IQWiG festgestellt, die Entscheidung sei überfällig.

Für Borst ist es essentiell, neben den Krankheitsbildern auch den Kontext der Erkrankung zu verstehen. Nur so sei es möglich, die richtigen Behandlungsmethoden einleiten zu können. Die systemische Arbeit sei u.a. für Kinder und Jugendliche, die zunehmend psychische Krankheitsbilder aufweisen, zentral. Hierbei müsse das ganze Umfeld eines Kindes, also Psychotherapeuten, Eltern und Schulen in den Behandlungsprozess mit eingebunden werden. Nur so könne man gezielt mit der Komplexität von Krankheiten umgehen und Kindern dauerhaft bessere Lebensbedingungen ermöglichen. Und genau das würde auch die systemische Psychotherapie ausmachen: das Einbinden des unmittelbaren Umfeldes.

Im Erwachsenenbereich, in dem Systemische Therapie in der Psychiatrie entstanden sei, müsse gewährleistet werden, dass Patienten nach Abschluss der stationären Behandlung ambulant weiter systemisch behandelt werden könnten.

Dr. Björn Enno Hermans, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF), betonte das gute Verhältnis zur SG. Er könne gut damit leben, dass die Gesellschaften ständig von Außenstehenden verwechselt würden. Und falls es doch mal zu Streitereien unter „Geschwistern“ komme, müsse man eben zur Systemischen in die Familientherapie. Wenn das schon früher gemacht worden wäre – bereits bei Kain und Abel, man wisse nicht, wie sich die Welt weiterentwickelt hätte, formulierte Hermans lakonisch.

Ariadne Sartorius und Jürgen Doebert, Vorstand Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten, haben nach eigenen Angaben vor der Veranstaltung in eine Glaskugel der Zukunft geschaut. Dort seien die Psychotherapie-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses aufgetaucht. Also sei die SG bereits in den Leistungskatalog aufgenommen worden.

Prof. Dr. Arist von Schlippe, Direktor des Instituts für Familienunternehmen an der Universität Herdecke, referierte zum Thema „Systemische Therapie – Einladung zu einem Helikopter-Rundflug“. Nach dem 2. Weltkrieg habe eine Aufbruchsstimmung geherrscht – die humanistische Psychologie habe hier als dritte Kraft neben der Psychoanalyse und dem Behaviorismus fungiert. Von Schlippe verwies auf den wirkmächtigen Psychotherapeuten John Bell, der früh erkannt habe, dass man anfangen müsse, Symptome im Kontext zu behandeln. Er gelte als kreativer und konstruktiver Regelbrecher, der es als erster verstand, Familienangehörige mit in die Therapie einzubeziehen. Oft seien psychische Krankheiten ein Resultat des Versuchs, in einem kranken Kontext zu bestehen. Von Schlippe sehe die systemische Praxis als Erkenntnistheorie; es werde darüber nachgedacht, wie über Störungen und Methoden kommuniziert werde. Abschließend zitierte der Redner den ethischen Imperativ des österreichischen Physikers Heinz von Foerster „Handle stets so, dass die Anzahl der Handlungsoptionen größer wird!“ Da blieb Sebastian Baumann, Vorstandsbeauftragter Psychotherapie der SG, nur, allen Gästen intensive Gespräche zu wünschen. Das wurde auch reichlich genutzt.

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