„News“, „Info“, „Talk“, „Date“, „Takt“, „Zeit“ – schon beim Betreten des Museums für Kommunikation in Berlin war klar: Für sein Herbstfest hatte der PKV-Verband in diesem Jahr einen Ort gewählt, der kaum besser passen könnte. Nach vielen Jahren im Hamburger Bahnhof ging es diesmal in ein Haus, in dem sich alles um Nachrichten, Austausch und Verständigung dreht. Die passende Überschrift für den Abend stand damit fest.
Neu war auch der Auftakt. Auf die klassische politische Rede verzichtete der Verband zunächst. PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther kündigte stattdessen die German Gents an. Das A-cappella-Quartett wurde 2018 von ehemaligen Sängern des Berliner Staats- und Domchors gegründet. Inzwischen erreichen die vier auf ihren Social-Media-Kanälen ein großes Publikum. „Sie haben mehr Follower als der PKV-Verband“, stellte Reuther lachend fest.
Donnernder Applaus für die German Gents
Auch große Bühnen kennen sie. 2025 sangen die German Gents beim NFL-Spiel im Berliner Olympiastadion vor mehr als 70.000 Menschen die deutsche Nationalhymne. Reuther setzte die Messlatte für das deutlich kleinere Publikum beim Herbstfest deshalb nicht gerade niedrig: „Donnernder Applaus“ sei gefragt.
Den gab es auch. Vier Stimmen, keine Instrumente, keine Elektronik – mehr brauchten die German Gents nicht. „Mich hat es beeindruckt“, sagte anschließend Thomas Brahm, Vorstandsvorsitzender des PKV-Verbandes. Nicht nur der Veranstaltungsort sei neu, man präsentiere an diesem Abend auch „neue Töne“.
Ganz ohne Politik ging es dann doch nicht. Brahm erinnerte an Bundeskanzler Friedrich Merz. Der hatte beim Tag der Industrie im Juni mit Blick auf Ludwig Erhards „Wohlstand für alle“ betont, dass „Wohlstand für die Jugend“ folgen müsse. Für Brahm nachvollziehbar. Denn gerade bei den Jüngeren gebe es Anlass zur Sorge. 2025 seien 288.000 Menschen aus Deutschland ausgewandert, darunter viele junge und gut ausgebildete Menschen. Zugleich wachse der Eindruck, dass ihre Interessen in der Politik zu kurz kommen.
PKV-Verband sorgt sich um die Jüngeren
Brahm verwies auf Befragungen, nach denen 56 Prozent der 18- bis 25-Jährigen ihre wirtschaftlichen Interessen nicht ausreichend berücksichtigt sehen. Unter Berufseinsteigern fühlten sich 63 Prozent von der Politik nicht ernst genommen. 69 Prozent seien der Meinung, dass es die ältere Generation leichter hatte, Wohlstand aufzubauen. Wer heute nicht gegensteuere, überlasse den kommenden Generationen vor allem die Lasten. Für Brahm wäre dies das Gegenteil verantwortungsvoller Politik – und auch das Gegenteil von Chancengleichheit.
Besonders die Pflegeversicherung mache ihm Sorgen. Der GKV-Spitzenverband spreche bei der sozialen Pflegeversicherung inzwischen von „Alarmstufe Rot“. Sie sei zwar finanziell der kleinste Zweig der Sozialversicherung, habe in den vergangenen Jahren aber mit die höchsten Beitragssteigerungen verzeichnet.
Auch das Ziel, die Sozialversicherungsbeiträge insgesamt bei 40 Prozent zu halten, rücke ohne Reformen immer weiter weg. Ohne Gegensteuern müssten Erwerbstätige in zehn Jahren rund die Hälfte ihres Einkommens für Sozialversicherungsbeiträge aufbringen. „Der demografische Wandel läuft wie ein Uhrwerk, die umlagefinanzierten Systeme sind darauf nicht vorbereitet“, sagte Brahm.
Mit dem Referentenentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes habe die Politik das Problem zwar erkannt, aus seiner Sicht aber noch keine ausreichende Antwort gefunden. Wenn bei der Altersvorsorge stärker auf Kapitaldeckung gesetzt werde, warum dann nicht auch bei der sozialen Pflegeversicherung? Dass Kapitaldeckung funktionieren könne, zeige die private Pflegeversicherung. Brahm verwies auf mehr als 355 Milliarden Euro Alterungsrückstellungen, den Verzicht auf Steuerzuschüsse und die daraus entstehende Planungssicherheit. Seine eigene Branche hätte schon Mitte der 1990er-Jahre selbstbewusster für diesen Weg eintreten sollen, räumte er ein.
Gefordert sind mutige, strukturelle und langfristig tragfähige Reformen
Dem neuen Gesundheitsminister wünschte Brahm einen guten Start und viel Erfolg – mit einer klaren Erwartung. Gefragt seien keine kleinen Schritte mit großen Ankündigungen, sondern mutige, strukturelle und langfristig tragfähige Reformen.
Ein weiteres Highlight des Abends wartete schließlich in der Schatzkammer des Museums. Dort konnten die Gäste eine der berühmtesten Briefmarken der Welt bestaunen: die Blaue Mauritius. Nur zwölf Exemplare sind heute noch erhalten. Einzelne Stücke werden mit bis zu rund einer Million Euro bewertet. Eine Summe, die Eindruck macht – nicht bei jedem. Ein Gast blickte auf die Blaue Mauritius und stellte trocken fest: „Damit wäre die GKV auch nicht zu retten.“
Fina Geschonneck