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Präventionspotenzial konsequent nutzen

Apothekenreform setzt mit neuen pharmazeutischen Dienstleistungen wichtige Impulse

Victor Geus, Area Managing Director Central Europe, Kenvue

Die von Gesundheitsministerin Nina Warken vorgeschlagene Apothekenreform ist ein wichtiges Signal für die Stärkung von Prävention in unserem Gesundheitssystem. Damit dieses Potenzial gehoben werden kann, ist die Befähigung, die eigene Gesundheit selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu fördern, essenziell – beispielsweise durch tägliche Pflegeroutinen, Selbstmedikation oder die Wahrnehmung neuer präventiver Angebote.

Am Beispiel der Rauchentwöhnung wird besonders deutlich, dass niedrigschwellige Präventionsangebote Menschen dabei helfen können, ihre Gesundheitsvorsorge in die eigene Hand zu nehmen und langfristige gesundheitliche Probleme zu vermeiden. Insbesondere, wenn man sich bewusst macht, dass Rauchen eines der größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken weltweit darstellt[1] und rund jede fünfte Krebsneuerkrankung die Folge von Tabakkonsum ist[2]. Die vom Bundesgesundheitsministerium neu geplante pharmazeutische Dienstleistung (pDL) „Beratung in Form einer Kurzintervention zur Prävention tabakassoziierter Erkrankungen“ setzt genau dort an und überträgt dabei Apotheken eine tragende Rolle. Als wohnortnahe, niedrigschwellige und vertrauensvolle Anlaufstellen können sie einen spürbaren Beitrag leisten: für die Gesundheit eines jeden Einzelnen, zum Wohle der Gesellschaft und zur Entlastung des Gesundheitssystems.

Selbstfürsorge beginnt im Alltag

Prävention beginnt mit Selbstfürsorge: Die Förderung der eigenen Gesundheit – insbesondere auch durch Selbstfürsorge – ist ein bedeutsamer Schlüssel für eine gesündere Gesellschaft und die Entlastung des Gesundheitssystems. Selbstfürsorge beschreibt die Fähigkeit jeder und jedes Einzelnen, die eigene Gesundheit aktiv zu fördern, Krankheiten vorzubeugen und mit leichten Beschwerden verantwortungsvoll umzugehen. Sie beginnt im Alltag, in den täglichen Pflegeroutinen, und reicht bis zur gezielten Selbstmedikation mit rezeptfreien Arzneimitteln, bevor ärztliche Versorgung notwendig wird. So lassen sich beispielsweise durch eine individuelle Entscheidung zur Rauchentwöhnung, eine konsequente Mundhygiene oder die Nutzung von Sonnenschutz für die Haut das Risiko für Folgeerkrankungen wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrebs, Karies, Parodontitis oder Hautkrebs frühzeitig verringern.[3],[4],[5]

Selbstfürsorge ist also Gesundheitsvorsorge und sollte als integraler Bestandteil einer gesundheitlichen Daseinsvorsorge verstanden werden. Wenn wir das Potenzial der Selbstfürsorge - und somit der Prävention - systematischer nutzen, gewinnen alle: Bürgerinnen und Bürger erhalten früher Orientierung, Beratung und Unterstützung, Ärzte- und Pflegeteams werden entlastet, und der Kostendruck auf das Gesundheitssystem wird langfristig gesenkt.

Prävention ist günstiger als Behandlung: Nichtübertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Diabetes verursachen hohe Kosten für die Sozialsysteme. Allein für die Behandlung von Folgeerkrankungen des Rauchens entstehen im Gesundheitswesen jährlich über 30 Mrd. EUR direkte Kosten[6]. Viele dieser Erkrankungen ließen sich durch einfache, evidenzbasierte Präventionsmaßnahmen deutlich reduzieren. Die Rechnung ist einfach: Jede Erkrankung, die gar nicht erst entsteht, spart nicht nur individuelles Leid, sondern auch immense Kosten im Gesundheitssystem. Ziel muss eine Gesundheitsvorsorge sein, die schon beginnt, bevor Beschwerden auftreten oder chronisch werden.

Gesundheitskompetenz ist Herausforderung

Die Potenziale der Selbstfürsorge liegen auf der Hand. Der aktuelle Kenvue Consumer Trend Report 2025[7] zeigt jedoch: 41 % der Deutschen beginnen erst nach dem 25. Lebensjahr mit regelmäßigen Vorsorgemaßnahmen im Alltag. Gleichzeitig beschreiben nur 18% der Deutschen ihren Gesundheitszustand als „sehr gut“ und lediglich 4% als „ausgezeichnet“. Im internationalen Vergleich landet Deutschland damit auf einem der hintersten Plätze.

Eine zentrale Herausforderung ist die Gesundheitskompetenz: Viele Menschen informieren sich im Internet oder in sozialen Medien über Pflegeroutinen und Produkte. Jedoch schenken sie diesen Quellen deutlich weniger Vertrauen als medizinischem und pharmazeutischem Fachpersonal.  Das zeigt: es braucht mehr evidenzbasierte Informations- und Aufklärungsangebote, sowohl vor Ort als auch im Internet.

Um die Potenziale der Selbstfürsorge zu heben, braucht es einen ganzheitlichen Präventionsansatz, der damit beginnt, Menschen zu einer selbstbestimmten Gesundheitsversorgung und -vorsorge zu befähigen. Dazu muss Selbstfürsorge als Pfeiler der nationalen Präventionsstrategie anerkannt werden.

Konkret bedeutet das:

  • Die Verankerung des Präventionsansatzes in allen gesundheitspolitischen Vorhaben – mit klaren Zielen und messbaren Erfolgsindikatoren.
  • Den Ausbau niedrigschwelliger Präventionsangebote, um Menschen in allen Lebenslagen zur Selbstfürsorge zu befähigen.
  • Die Stärkung der Gesundheitskompetenz durch evidenzbasierte Aufklärung online und vor Ort – in Schulen, am Arbeitsplatz und auf den digitalen Plattformen, die Menschen täglich nutzen.
  • Die Förderung der Selbstmedikation mit sicheren, rezeptfreien Arzneimitteln, um Arztpraxen zu entlasten und Versorgungslücken zu schließen.

 

[1] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/r/rauchen.html

[2] Deutsches Krebsforschungszentrum und Deutsche Krebshilfe (2025) Tabakatlas Deutschland 2025.Pabst Science Publishers, Lengerich, DOI: 10.2440/0010

[3] Weltgesundheitsorganisation (WHO): Tabakkonsum und Passivrauchen verantwortlich für mehr als 20 % der Todesfälle durch koronare Herzkrankheit

[4] Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ): Rauchen und Mundgesundheit

[5] Leitlinienprogramm Onkologie: S3-Leitlinie Prävention von Hautkrebs

[6]  Tabakatlas Deutschland 2025

[7] Kenvue Consumer Trend Report „A New View of Care“ 2025

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