Direkt zum Inhalt springen

Pro Generika wird 20

Beifall klatschen für die Reden beim Sommerfest von Pro Generika.
Beifall klatschen für die Reden beim Sommerfest von Pro Generika.
Pro Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer begrüßt zum Sommerfest.
Pro Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer begrüßt zum Sommerfest.
Feuer und Flamme für Bakterien im Darm ist Science-Slammerin Lisa Budzinski.
Feuer und Flamme für Bakterien im Darm ist Science-Slammerin Lisa Budzinski.
Im historischen Ambiente: Franz Knieps (BKK Dachverband) erzählt von alten Zeiten.
Im historischen Ambiente: Franz Knieps (BKK Dachverband) erzählt von alten Zeiten.
Lange Jahre ein Team: Wolfgang Spaeth (Hexal) (l.) und Bork Bretthauer (Pro Generika)
Lange Jahre ein Team: Wolfgang Spaeth (Hexal) (l.) und Bork Bretthauer (Pro Generika)
Von Berufs wegen ein Freund der Gesundheitswirtschaft ist Sebastian Nawarra (BMWK).
Von Berufs wegen ein Freund der Gesundheitswirtschaft ist Sebastian Nawarra (BMWK).
Bork Bretthauer (Pro Generika) und Burkhard Rodeck (DGKJ) (r.)
Bork Bretthauer (Pro Generika) und Burkhard Rodeck (DGKJ) (r.)
Immer die Kosten fest im Blick hat Sabine Richard (AOK BV).
Immer die Kosten fest im Blick hat Sabine Richard (AOK BV).
Tino Sorge MdB (CDU) erklärt wohl seine Gesundheitspolitik.
Tino Sorge MdB (CDU) erklärt wohl seine Gesundheitspolitik.
Hubert Hüppe MdB (CDU) mit Blumen
Hubert Hüppe MdB (CDU) mit Blumen
Der amtierende Vorsitzende von Pro Generika Andreas Burkhardt (l.) mit seinem Geschäftsführer Bork Bretthauer
Der amtierende Vorsitzende von Pro Generika Andreas Burkhardt (l.) mit seinem Geschäftsführer Bork Bretthauer
Anna Steinbach (Pro Generika) (l.)
und Susanne Lamminger (Sandoz)
Anna Steinbach (Pro Generika) (l.) und Susanne Lamminger (Sandoz)
Die sieben Vorstände von Pro Generika
Die sieben Vorstände von Pro Generika
Franz Knieps (BKK Dachverband) mit Susanne Lamminger (Sandoz)
Franz Knieps (BKK Dachverband) mit Susanne Lamminger (Sandoz)

Früher feierte Pro Generika seine Feste in der Landesvertretung von Baden-Württemberg – gut behütet von schwäbischem Sichtbeton und Gartenidyll. Zum zwanzigsten Geburtstag zieht es den Verband nun hinaus nach Mitte. Die Wartehalle am Nordbahnhof – beworben als Eventlocation – ist alles andere als beschaulich. Hier wirkt Berlin noch immer im Umbruch. Das aufwändig restaurierte Bahnhofsgebäude liegt mittendrin, unaufdringlich schick mit einer Freifläche für sommerliche Gäste. Es weht der Ernst des Lebens, die Jugend ist vorbei. Wie konnte es soweit kommen?

Generisch gesehen war die Welt vor zwanzig Jahren noch in Ordnung. Ab 2007 war dann alles anders. Seitdem herrscht der Rabatt. Als hätten sie es vorausgesehen, gründeten vier deutsche Unternehmen im Juli 2004 einen neuen Spartenverband für patentfreie Arzneimittel. Ein mutiges Unterfangen – an Pharma-Verbänden war die Republik schon reich gesegnet. Mit drei Experten aus der Verbandsszene (Hermann Hofmann), Politik (Peter Schmidt) und Industrie (Udo R. Klomann) ging Pro Generika dann an den Start und wurde zur originären Stimme der „nachahmenden“ Arzneimittelhersteller.

Seitdem hat die Branche bewegte Zeiten durchlebt. Viele Milliarden Rabatt hinterließen Spuren. Die ehemals bunte Generika-Industrie ist heute auf wenige Hochleistungsbetriebe zusammengeschnurrt. Bei Packungspreisen von unter einem Euro kann nicht jeder mithalten. Auch personell gab es einen Umbruch. 2011 übernahm Bork Bretthauer das Ruder, nachdem sein Vorgänger Peter Schmidt das Feld räumen musste. Schmidt war dem Kabarettisten Martin Sonneborn medienwirksam auf den Leim gegangen. Bretthauer ist seitdem das Gesicht von Pro Generika. Gelernt hat er das politische Geschäft bei Andrea Fischer (Grüne) und Cornelia Yzer (vfa). Als langjähriger Geschäftsführer lässt er es sich nicht nehmen, selbst durch den Jubelabend in der Wartehalle am Nordbahnhof zu führen.

Das Programm ist bunt und unterhaltsam. Der Vorsitzende Andreas Burkhardt berichtet, bei Pro Generika gebe es viel Engagement und „ganz wenig Ego im Raum“ – wohl ein Alleinstellungsmerkmal in der Berliner Szene. Im Pharma-Gipfel 2023 und dem ersten freundlichen Pharma-Gesetz (ALBVVG) erkennt Burkhardt eine Trendwende in der Gesundheitspolitik. Gleichzeitig macht er aus seinem Unverständnis kein Hehl. Als Unternehmer folge er der Logik: Analyse-Konzept-Entscheidung-Umsetzung. Die Logik der politischen Prozesse erschlösse sich ihm nicht in gleichem Maße.

Auch Festredner Franz Knieps vom BKK Dachverband lässt die gesundheitspolitische Logik eher im Dunkeln. Er berichtet lieber über seine Zeit mit Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Knieps lobt die Lobbyarbeit des Verbandes, weil sie immer mit validen Zahlen fundiert sei. Das Lob ist hochverdient, hat Pro Generika doch jahrelang tapfer die „Zahl des Monats“ verkündet. Heute sendet Pro Generika Botschaften mit Bildern. Pressechefin Anna Steinbach (abgeworben von der BILD) hat umgestellt auf einen Generika-Newsletter.

Im Programm geht es eher plastisch weiter. Lisa Budzinski erläutert, warum Hersteller von Generika und Bakterien im Darm eigentlich die gleichen Probleme plagen. Die Liebe der Science Slammerin gilt eindeutig den Darmbakterien. Ihre gedankliche Brücke zur Industrie wirkt manchmal etwas abenteuerlich. Wen kümmerts? Es zählt der Unterhaltungswert.

Aus der Verbändelandschaft ist Pro Generika nach zwei Jahrzehnten nicht mehr wegzudenken. Mit gerade einmal sechs Mitarbeitern hat der Verband sich als feste Säule etabliert. Die Aufgaben in der Kommunikation sind enorm. Das Lauterbachsche Momentum in der Fiebersaftkrise („wir haben den Preisdruck überdreht“) hat Erwartungen geschürt. Vom Hype um die Forschung in Deutschland kann die Generika-Industrie nicht profitieren. Es geht schlichtweg um die Produktion von Abermilliarden Tagesdosen. Zu jeder Zeit auf höchstem Niveau. Auch darin liegt Musik. Generisch gesehen.

 

Sebastian Hofmann

Das könnte Sie auch interessieren

Reden, Netzwerken, Diskutieren beim parlamentarischen Abend von Hartmannbund, BDC und PVS-Verband

Szene: Politische Hochspannung bei Hartmannbund, BDC und PVS-Verband

Drei Verbände, drei unterschiedliche Botschaften – und doch ein gemeinsames Anliegen: Gegenüber der Politik lässt sich mehr erreichen, wenn man geschlossen auftritt. Wie gut das funktionieren kann, zeigte der gemeinsame parlamentarische Abend von Hartmannbund, Berufsverband der Deutschen Chirurgie (BDC) und PVS-Verband.

Machtwechsel an der Systemspitze: Josef Hecken (G-BA), Oliver Blatt (GKV-SV), Sonja Optendrenk (G-BA ab 1. Juli), Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (v.l.n.r.)

Szene: Bekannte Botschaften und neue Gesichter beim Sommerfest des GKV-Spitzenverbandes

Eigentlich ist zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz derzeit alles gesagt – von der Bundesgesundheitsministerin ebenso wie vom Vorstandsvorsitzenden des GKV-Spitzenverbandes. Aber Reden gehören zum Sommerfest des GKV-Spitzenverbandes nun einmal dazu. Also wurde noch einmal wiederholt, bekräftigt und gegenseitig versichert, wie wichtig Kommunikation gerade jetzt ist.

Ecky Oesterhoff (CGM Deutschland), Daniel Diekmann (ID), Matthias Meierhofer (bvitg), BMG-Staatssekretär Tino Sorge, Viola Henke (DMI), Sascha Raddatz (bvitg), Heiko Mania (NursIT Institute) (v.l.n.r.)

Szene: Feiern nach dem Paukenschlag – das Sommerfest des bvitg im Weinbergspark

Früher saß die IT im Keller. Die Kollegen kamen eigentlich nur dann hoch, wenn der Bildschirm schwarz blieb. In der Chefetage kam niemand auf die Idee, mit der IT-Abteilung über die Zukunft zu reden. Man brauchte halt irgendein Programm und jemanden für IT-Ausfälle. Das hat sich dramatisch geändert. Heute bieten die Hersteller von Gesundheits-IT eine Brücke in die digitale Welt – mit neuen Prozessen und Formaten für die Versorgung. Ohne sie geht gar nichts. Das hat sich herumgesprochen.