Wenn eine Institution 100 Jahre alt wird, gibt es in der Regel einen Festakt mit anschließendem Empfang. Die Privatärztlichen Verrechnungsstellen (PVS) haben an diesem Abend ins Axica am Potsdamer Platz geladen – sehr festlich ausgestattet.
Die 13 PVS übernehmen die Abrechnung der ärztlichen Leistungen für niedergelassene Ärzte, Zahnärzte, leitende Krankenhausärzte, medizinische Versorgungszentren und Krankenhäuser. Sie seien mehr als ein Dienstleister, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Christof Mittmann. Der PVS sei eine Selbsthilfeeinrichtung von Ärzten für Ärzte, würden keinem fremden Gewinninteresse, keinem anonymen Kapitalmarkt und keiner kurzfristigen Renditelogik folgen. Solidarität, Verlässlichkeit und die Überzeugung, dass wirtschaftliche Organisation und ärztliches Ethos sich nicht ausschließen, sondern sinnvoll ergänzen können: Das sei das Fundament ihrer Arbeit.
Mittmann erinnerte auch an die Rolle der PVS im Nationalsozialismus. „Die PVS waren – wie weite Teile der deutschen Ärzteschaft – nicht immun gegen den Verlust institutioneller Selbstständigkeit und moralischer Integrität in dieser Zeit. Dies nüchtern zu benennen, ist kein Makel des Erinnerns, sondern Ausdruck historischer Redlichkeit.“ Verantwortung für die Zukunft setze Ehrlichkeit gegenüber der Vergangenheit voraus. Immer wieder musste sich die PVS neu aufstellen; ob Währungsreform, Nachkriegsordnung, Wiedervereinigung, der Weg in die elektronische Datenverarbeitung, die Herausforderungen von Datenschutz und Aufsichtsrecht, von Digitalisierung. Die Ärzte von unnötiger Bürokratie entlasten, darin sieht Mittmann eine der Aufgaben der PVS für die Zukunft.
Tino Sorge, parlamentarischer BMG-Staatssekretär, fühlte sich an diesem Abend sichtlich wohl. Er sei schon beglückt, freudig begrüßt zu werden als Mitglied der Bundesregierung, betonte er. Neben Glückwünschen bekräftigte er sein Bekenntnis zur privaten Krankenversicherung. Die Diskussion um eine mögliche Abschaffung: „Ich teile diese Aussage nicht“, sagte er. Nach der neuen GOÄ befragt, wann sie denn nun komme, meinte: „Natürlich wird sie kommen.“ Es gehe jetzt um ein tragfähiges Konzept, das zum Schluss pragmatisch umsetzbar sei. Die Gäste applaudierten, Worthülsen meinten einige.
Der taiwanesische Minister für Gesundheit und Wohlfahrt, Chung-Liang Shih, hielt einen Vortrag zum Thema digitale Gesundheit. Künstliche Intelligenz sei ein wichtiger Faktor im Gesundheitswesen, Taiwan habe bereits entsprechende Zentren, unter anderem für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI.
Zur Erheiterung des Abends sorgte Chin Meyer als wohl bekanntester Finanzkabarettist, redete über die doch zahlreichen Steuern in Deutschland, über Geldwäsche und Finanzbeamte.
Der Abend war lang und abwechslungsreich – mit Geschichte und Geschichten. Ganz so, wie es sich für eine Jahrhundertfeier gehört.
Fina Geschonneck