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Verantwortungsvoller Umgang mit Cannabis – die medizinische und forensische Perspektive

Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer

Die medizinische Perspektive eines verantwortungsvollen Umgangs mit Cannabis weist zwei grundsätzlich unterschiedlich zu bewertende Aspekte auf. Auf der einen Seite liegen positive wissenschaftliche Ergebnisse zum Nutzen cannabinoidhaltiger Medikamente für bestimmte, klar definierte Indikationsbereiche vor, wie Spastiken, Übelkeit und Erbrechen, insbesondere als Begleitsymptome einer Chemotherapie bei Tumorpatienten, Anorexie und Kachexie, chronische Schmerzsymptomatik und mit schwacher Evidenz auch für die symptomatische Behandlung von Erkrankungen, wie Tourette-Syndrom oder Morbus Parkinson. Vor diesem Hintergrund wurde medizinisches Cannabis mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften am 10. März 2017 in Deutschland auf Kosten der Krankenkassen verschreibungsfähig.

Auf der anderen Seite belegen wissenschaftliche Studien zahlreiche negative gesundheitliche Folgen von Cannabiskonsum (psychische Symptome einer akuten Cannabinoidintoxikation, mittelfristige Folgen des Konsums mit insbesondere kognitiven Störungen und Leistungsbeeinträchtigungen, Risiko der Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung durch Cannabis-Konsum, somatische Folgen eines akuten und chronischen Cannabiskonsums, wie zum Beispiel Erkrankungen von Lunge und Atemwegen, Herzkreislaufsystem, Magen-Darm-Trakt, Haut und Schleimhäuten sowie Begünstigung von Tumorerkrankungen, insbesondere bei kombiniertem Tabakkonsum). Diese Folgen für die Gesundheit des Einzelnen sowie die Gesundheit weiterer Personen durch Fremdgefährdung haben unmittelbare Auswirkungen auf das Gesundheitssystem und rechtfertigen konsequente Maßnahmen der Primärprävention, also zielgerichteter Maßnahmen und Aktivitäten, um Krankheiten und gesundheitliche Schädigungen primär zu vermeiden. Eine breite Legalisierung des Cannabiskonsums widerspricht diesem Grundsatz einer wirksamen Primärprävention von Erkrankungen.

Insbesondere bei vulnerablen Bevölkerungsgruppen (Schwangere, Ungeborene/Neugeborene, Kinder und Jugendliche), aber auch bei Erwachsenen sind negative gesundheitliche Auswirkungen des Cannabiskonsums bekannt. Von besonderer Relevanz sind die gesundheitlichen Auswirkungen bei schwangeren Frauen beziehungsweise für das ungeborene / neugeborene Kind wie Chromosomen-Schäden durch Chromosomenbrüche, Beeinträchtigung der Frequenz des Menstruationszyklus, Beeinträchtigung der Oogenese, Beeinträchtigung der Einnistung des Embryos, Beeinträchtigung der embryonalen Gehirnentwicklung, intrauterine Wachstumsretardierung, erhöhtes Risiko für Geburtskomplikationen, frühzeitige Wehentätigkeit, vermindertes Geburtsgewicht des Kindes.

Ebenso relevant sind die gesundheitlichen Auswirkungen intrauteriner Exposition auf die kindliche Entwicklung, wie Verhaltensauffälligkeiten, erhöhte Schreckhaftigkeit, Tremor, gestörte Schlafarchitektur, kognitive Defizite und Hyperaktivität. Unbestritten führt Cannabiskonsum zu erheblichen gesundheitlichen Auswirkungen bei Kindern und Jugendlichen wie zum Beispiel kognitive Beeinträchtigungen, Psychosen, affektive und bipolare Störungen, Depressionen, Entwicklungs- und Anpassungsstörungen, Angststörungen, Auftreten einer Sucht- und Abhängigkeitserkrankung.

Diese nachweisbaren Auswirkungen auf die Gesundheit des Einzelnen sowie insbesondere auf die Gesundheit weiterer Personen, also ungeborener und neugeborener Kinder, rechtfertigen konsequente Maßnahmen der Primärprävention im Sinne zielgerichteter Maßnahmen und Aktivitäten, um Krankheiten und gesundheitliche Schädigungen primär zu vermeiden.

Eine breite Legalisierung des Cannabisfreizeitkonsums widerspricht diesem Grundsatz einer wirksamen Primärprävention von Erkrankungen und ist daher aus ärztlicher Perspektive strikt abzulehnen.

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