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Kommentare

Dr. Robert Paquet

Südkorea und die Corona-Krise

Die Corona-Pandemie führt den Blick in andere Länder. Dabei wird auch die Frage gestellt: Welchen Einfluss haben das Regierungssystem und die Organisation des Gesundheitswesens auf die mehr oder weniger erfolgreiche Bekämpfung der Krankheit. Die Beispiele von China und Südkorea liegen auf der Hand, weil sie Europa im Verlauf der Pandemie einige Monate voraus sind und offensichtlich Erfolg bei der Eindämmung der Infektionen haben. Bei China wird spekuliert, wieweit das diktatorische Regime und die staatliche Organisation des Gesundheitssystems dazu beigetragen haben. Bei Südkorea zeigt sich dagegen, dass auch ein Land mit einer nachhaltigen demokratischen Entwicklung und einem profitorientierten Gesundheitswesen sehr erfolgreich sein kann. Ein kaum zu unterschätzender Faktor ist dabei, dass das Land sehr früh entschlossen reagiert hat und damit die Infektionswelle bremsen konnte. Dadurch kam es nicht zu einer Überforderung des Versorgungssystems. Die Frühzeitigkeit der Maßnahmen hat jedoch auch Gründe in der Organisation des Gesundheitssystems. Doch zunächst ein Blick auf die Entwicklung der Corona-Krise.

Dr. Robert Paquet


Dr. Kai Joachimsen

Erforderlich – geeignet – angemessen

Die Evidenzgenerierung bei Arzneimitteln für Seltene Leiden (Orphan Drugs) ist naturgemäß herausfordernd. Kleine Patientenpopulationen machen die valide Datenerhebung in einem überschaubaren Zeitraum zu einer komplexen Aufgabe. Mit dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) wurde für den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) die Möglichkeit geschaffen, für bestimmte Arzneimittel eine „anwendungsbegleitende Datenerhebung“ (awD) zu fordern. Dies gilt für Orphan Drugs, Arzneimittel mit bedingten Zulassungen und mit Zulassungen unter besonderen Umständen. Der G-BA kann vorsehen, dass sich ein pharmazeutischer Unternehmer an einer awD beteiligen muss. Ergänzend kann der G-BA vorsehen, dass nur solche Leistungserbringer derartige Arzneimittel verordnen dürfen, die sich an der awD beteiligen. Die Beauflagung geschieht mit Blick auf die frühe Nutzenbewertung bzw. die Erstattungsbetragsverhandlungen.

Dr. Kai Joachimsen

Dr. Kirsten Kappert-Gonther MdB

Drugchecking: Wissen hilft

In der deutschen Partyszene ist der Konsum von Drogen weit verbreitet. Viele junge Erwachsene gehen zum Tanzen in Clubs und nehmen psychoaktive Substanzen zu sich. Es handelt sich überwiegend um gut gebildete und informierte Konsument*innen. Studien zeigen, dass neben Alkohol und Nikotin besonders häufig Cannabis, Ecstasy und Amphetamine (Speed) konsumiert werden. In den letzten Jahren ist der Wirkstoffgehalt unter anderem von den Ecstasy-Tabletten stark angestiegen. Für unerfahrene Konsument*innen kann das Überdosierungen und daraus resultierende medizinische Notfälle zur Folge haben. Zudem besteht für die Nutzer*innen keinerlei Klarheit über mögliche Streckmittel oder Verunreinigungen. Dabei ließe sich dieser Zustand leicht ändern.

Dr. Kirsten Kappert-Gonther MdB

Dr. Robert Paquet

Kommission für ein modernes Vergütungssystem (KOMV) – diplomatisch aus der Affäre gezogen

Die von der Bundesregierung eingesetzte wissenschaftliche Kommission für ein modernes Vergütungssystem (KOMV) hat ihren Bericht fristgerecht fertiggestellt und am 28. Januar 2020 der Öffentlichkeit präsentiert*. Ihre Empfehlung ist, eine „partielle Harmonisierung“ der beiden ambulanten Vergütungssysteme vorzunehmen (EBM und GOÄ). Das Konzept unterscheidet zwischen „Bausteinen“, die gemeinsam weiterentwickelt werden, und Bereichen, bei denen Unterschiede bewusst erhalten bleiben sollten. Zu den gemeinsamen Bausteinen gehören vor allem die Definition der ärztlichen Leistungen (sog. „Leistungslegendierung“) und die relative Kostenbewertung, d.h. die ökonomische Bewertung der Leistungen im Vergleich zueinander. Die konkreten Preise sollen dagegen auch künftig getrennt verhandelt werden.

Dr. Robert Paquet


Prof. Dr. Thomas Neuhann

Organspende: „kleine“ Widerspruchslösung für Hornhautgewebespenden als Zukunftsoption

Die Nachfrage nach Organspendeausweisen ist Anfang des Jahres enorm gestiegen. Ob sie zahlreich ausgefüllt werden und zwar zustimmend? Oder ob der Großteil irgendwann im Papierkorb landet? Keiner kann dies vorhersagen. 2019 sank die Zahl der gespendeten Organe in Deutschland auf knapp 3.000. Die Zahl der Gewebespenden lag 2016 einem Bericht der Bundesregierung zufolge hingegen bei fast 57.000. Allein 7.300 Hornhäute wurden transplantiert. Die offenbar höhere Akzeptanz von Gewebespenden in der Bevölkerung könnte man nutzen, um nur dafür eine Widerspruchslösung einzuführen. Die gerade überarbeitete Entscheidungslösung wird nicht die Effekte haben, die sich ihre Befürworter erhoffen. Eine „kleine“ Widerspruchslösung für den Bereich der Gewebespenden würde es erlauben, Erfahrungen damit zu sammeln und Ängste abzubauen. Dies könnte die Basis für eine spätere „große“ Widerspruchslösung sein.

Prof. Dr. Thomas Neuhann


Dr. Robert Paquet

Lieferengpässe und Rabattverträge – Wie ist der Zusammenhang?

Angesichts der Corona-Krise wird zurecht danach gefragt, wie sich die Entwicklungen in China auf die Lieferketten für Arzneimittel auswirken. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beruhigt zwar: „Keine der bisher gemeldeten Lieferengpässe stehen im Zusammenhang mit Corona.“ (FAZ 6.3.2020) Trotzdem zeigt sich damit einmal mehr die Globalisierung der Pharmaproduktion. Dieses Schlaglicht gibt Anlass zum Rückblick auf zwei Studien, die in jüngster Zeit dem Zusammenhang von Rabattverträgen und Lieferengpässen nachgegangen sind. Kausal oder nicht? Das ist hier die Frage. Ein Beispiel für die Diskussionskultur in der aktuellen Gesundheitspolitik.

Dr. Robert Paquet


Dr. Elisabeth Fix

Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz (IPReG) erfordert Nachbesserungen

RISG heißt jetzt IPReG. Das Bundesgesundheitsministerium hat sich wohl angesichts der vehementen Proteste der vielen Interessensvertreter von Menschen mit Beeinträchtigungen entschlossen, den Gesetzentwurf kurzerhand umzubenennen. Am 13. Februar wurde das IPReG im Kabinett beschlossen. Vorweg: In diesem Gesetzentwurf, der die Rahmenbedingungen in der außerklinischen Intensivpflege und in der Rehabilitation neu ordnet, stecken weitaus mehr Chancen als Risiken. Aber auch die nach mehrfachen Nachbesserungen verbliebenen Risiken müssen restlos ausgeräumt werden.

Dr. Elisabeth Fix


Dietrich Monstadt MdB

Braucht Deutschland eine nationale Diabetesstrategie?

In unserer heutigen Gesellschaft gilt Diabetes mellitus als eine der bedeutendsten Volkskrankheiten Deutschlands. Mit derzeit rund 12 Millionen Betroffenen [1] , inklusive einer Dunkelziffer von zehn bis 20 Prozent und bei einer relativen Zunahme der Typ-2-Diabetesfälle um 54 bis 77 Prozent (+3,8 Mio. + 5,4 Mio. Fälle) bis 2040, können wir von ca. 16 Millionen Diabetiker innerhalb der nächsten 20 Jahre ausgehen [2] . Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen sind nur einige der Folgeerkrankungen, die auftreten können und einen schwerwiegenden Krankheitsverlauf mit sich bringen. Dies stellt sich zusehends als eine starke Belastung für das Gesundheitswesen dar.

Dietrich Monstadt


Johannes Bauernfeind

Die politischen Rahmenbedingungen stehen, jetzt geht es an die Ausgestaltung

Niemals zuvor standen der Menschheit so viele Informationen zur Verfügung wie heute. Und niemals zuvor konnten sie so schnell miteinander ausgetauscht werden. Das Potenzial der zunehmenden Digitalisierung muss besonders im Gesundheitssektor genutzt werden, um die Gesundheitsversorgung der Menschen im Land weiter zu verbessern. Unter anderem mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) und dem Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetz (GKV-FKG) wurden für die Akteure des Gesundheitswesens klare Rahmenbedingungen geschaffen – der Blick muss jetzt nach vorne gerichtet werden. Weitere Herausforderungen wie der demografische Wandel oder der voranschreitende Klimawandel stehen vor der Tür. Es gilt nun, passende Lösungen zu finden und den Wandel aktiv mitzugestalten.

Johannes Bauernfeind


Thomas Bublitz

Reha rückt in den Fokus der Regierung

Selten war die Reha im Fokus der Gesundheitspolitik, obwohl die Reha-Verbände und die Rehabilitationskliniken seit mehr als 20 Jahren über den dringenden Handlungsbedarf mit der Politik diskutieren. Worum es geht, ist schnell umrissen:

Thomas Bublitz

Staatssekretär Andreas Westerfellhaus

Leistungen der Pflegeversicherung müssen zu individuellen Lebensumständen passen

Der Leistungskatalog der sozialen Pflegeversicherung ist in den 25 Jahren ihres Bestehens mehrfach erweitert worden. Dadurch wurde nach und nach eine Abdeckung für immer mehr Bedarfe geschaffen. Übersichtlicher ist der Leistungskatalog dabei allerdings nicht geworden.

Andreas Westerfellhaus

Prof. Dr. Volker Ulrich

Einführung einer Bürgerversicherung aus demografischer Sicht ein Schritt zurück

Das IGES‐Institut hat im Auftrag der Bertelsmann‐Stiftung jetzt eine Studie erstellt, die sich mit der Frage beschäftigt, welche finanziellen Beitragssatzeffekte die Einbeziehung der Privatversicherten in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hätte, und ob die regionale Verteilung der Versicherten, insbesondere der Privatversicherten einen Einfluss auf die Verteilung niedergelassener Vertragsärzte besitzt.

Prof. Dr. Volker Ulrich