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Kommentare

Petra Grimm-Benne

Sachsen-Anhalt kann bei Corona-Pandemie auf fest etablierte Strukturen zurückgreifen

Vor einer solchen Ausnahmesituation wie der gegenwärtigen Corona-Pandemie stand Deutschland und Sachsen-Anhalt seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht. Daher gab es auch wenig Erfahrungswissen, auf das wir zurückgreifen können. Doch unvorbereitet waren und sind wir als Gesundheitsministerium nicht. Wir konnten bei unseren Entscheidungen auf Expertinnen und Experten und fest etablierte Strukturen im Land zurückgreifen. Zudem hatten wir vor rund zwei Jahren damit begonnen, Kliniken im Land zu befähigen, eigene Alarmplanungen aufzustellen. Noch vor der ersten bestätigten Infektion mit dem neuartigen SARS-CoV-2-Erreger am 10. März 2020 übernahm der Pandemie-Einsatzstab das Ruder.

Petra Grimm-Benne


Dr. Gerald Gaß

Zukunftsprogramm Krankenhaus – Zukunftsaufgabe Digitalisierung

Die Corona-Pandemie hat unsere Gesellschaft auf den Kopf gestellt. Home-Schooling, Home-Office, Lockdown und Ausgangsbeschränkungen bestimmten plötzlich das Leben. Und in allen Bereichen des Lebens wurde klar, dass das Wort Digitalisierung zwar schon Bestandteil von politischen Programmen, aber nicht von Lebenswirklichkeit geworden ist. Der Zustand in deutschen Schulen macht deutlich, dass gerade im Bildungssystem Digitalisierung nicht auf dem Stand ist, den wir unbedingt brauchen. Zugleich hat die Corona-Pandemie Digitalisierungsprozesse angeschoben. Plötzlich war Home-Office in Bereichen Alltag, in denen dies vor wenigen Monaten noch undenkbar gewesen wäre. Chancen und Defizite wurden also durch diese Pandemie offengelegt. Und auch im Krankenhausbereich musste man feststellen, dass die Digitalisierung bei weitem nicht den notwendigen Stand erreicht hat. Dieser Zustand ist Resultat einer über Jahrzehnte hinweg nicht ausreichenden Investitionspolitik.

Dr. Gerald Gaß

Dr. York  Dhein

Strukturen schaffen – Herausforderungen meistern – Gesundheit gestalten

Selten stand die Gesundheitsbranche in ihrer Gesamtheit so im Fokus wie 2020. Selten waren alle Teile für die Gemeinschaft so gefordert wie in diesem Jahr. Das erste Fazit: Wir haben diese Krise gemeistert – gemeinsam. Aber klar ist auch: Die Pandemie ist noch nicht vorbei – und: Unser Gesundheitssystem ist durch Corona nicht besser geworden, die wichtigen Strukturthemen bleiben.

Dr. York Dhein

Dr. Matthias Gruhl

Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Sektorenübergreifende Versorgung“ vor der Reaktivierung

Es geht wieder los: Nach der fast ausschließlich gesetzgeberischen Abarbeitung der Coronakrise hat das BMG bis zum Jahresende fünf Gesetzesvorhaben angekündigt, die unabhängig oder über den Zeitraum der Bewältigung der Epidemie hinausgehend sind.

Dr. Matthias Gruhl


Andreas Storm

Neuordnung der Krankenkassenaufsicht – die verschobene Reform

Während die Reformerfordernisse beim Morbi-RSA mit dem Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetz (FKG) weitgehend abgearbeitet sind, besteht beim Thema einheitliche Aufsicht weiterhin erhöhter Handlungsbedarf. Ein Jahr, nachdem das FKG in Kraft getreten ist, ist ein guter Zeitpunkt, um die Maßnahmen gegen die Beeinflussung von Diagnosen zu überprüfen. Im Frühjahr 2021 sollten deshalb die seither gesammelten Erfahrungen evaluiert werden. Die Ergebnisse kommen dann noch rechtzeitig, um in die im Herbst 2021 anstehenden Koalitionsverhandlungen zur Regierungsbildung einfließen zu können.

Andreas Storm


Katharina van Bronswijk

Die prekäre Lage der Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) während Corona

Diese Pandemie ist auch eine Hochsaison für die Psychotherapie und Psychologie. Psychologische Seelsorge am Telefon ist deutlich gefragter; das Thema: Corona. Expert*innenmeinungen zum Umgang mit „social distancing“, oder, wie Frau Merkel in ihrer Ansprache an die Nation sagte: Abstand als „Ausdruck von Fürsorge“ sind gewünscht. Das zeigt sich auch in den Regelungen, die unser System für die Aufrechterhaltung der psychotherapeutischen Grundversorgung getroffen hat: Videosprechstunden, Abrechnungsmöglichkeiten für Telefonziffern, ein Schutzschirm für niedergelassene Psychotherapeut*innen. Dann wird doch alles gut, oder? Wen haben wir vergessen?

Katharina van Bronswijk


Tiemo Wölken

Kampf gegen die Zeit – AMR die stille Pandemie

Jedes Jahr sterben weltweit mehr als 700.000 Menschen aufgrund von Infektionen in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens. Sie sterben aufgrund von antimikrobiellen Resistenzen (AMR).

Tiemo Wölken MdEP


Claudia Bernhard

Die Lehren aus Corona in Bremen

Glücklicherweise war der Zeitplan hinsichtlich der Verkaufsplanungen noch nicht so weit fortgeschritten, dass das alte große Bettenhaus am kommunalen Klinikum Bremen-Mitte bereits anderweitig genutzt oder gar abgerissen gewesen wäre. So aber stand es noch da und konnte als Isolierstation für stationäre Covid-19-Patienten sofort eingesetzt werden. So ähnlich ist es auch anderen Kommunen gegangen. In einer österreichischen Krankenhaus- Umfrage zu Erfahrungen in der Corona-Krise wurde immer wieder genannt, dass stillgelegte Gebäude reaktiviert oder bereits aufgegebene Altbauten wiederbelebt wurden. Man war froh um jedes Gebäude, jeden Quadratmeter, jedes Bett, das noch vorhanden war.

Claudia Bernhard


Nils Dehne

Nachhaltige Veränderungen in den Krankenhäusern jetzt anstoßen

Die Stimmung in den deutschen Krankenhäusern ist schlecht. Die Pflegekräfte zeigen sich enttäuscht von der ausbleibenden finanziellen Anerkennung. Geschäftsführer und Vorstände solidarisieren sich bei der Kritik am Gesetzgeber. Die Träger aller Krankenhäuser blicken mit Sorge auf die Ergebnisprognosen. Die Spitzenverbände von Krankenhäusern und Kassenärzten tragen einen offenen Wettstreit um die größere Bedeutung in der Versorgung von Covid-Patienten aus. Das BMG fordert Aufklärung über die Verwendung der ausgezahlten Zuschüsse. Einzelne Medien stellen die Strukturen unseres Gesundheitswesens grundlegend in Frage. Misstrauen auf allen Ebenen ist die Folge.

Nils Dehne


Dr. Robert Paquet

Bündnis 90/Die Grünen: wolkiges Wohlfühl-Versprechen

Die Partei Bündnis 90/Die Grünen hat am 26. Juni in Berlin einen ersten Entwurf für ihr neues Grundsatzprogramm vorgestellt[1]. Es soll beim Parteitag im November beschlossen werden. Titel ist: „‘…zu achten und zu schützen…‘ -VERÄNDERUNG SCHAFFT HALT.“ Der Programmteil zu „Gesundheit und Pflege“ (ab S. 33) findet sich im Kapitel „Zusammen leben“ und enthält insgesamt 16 laufende Nummern (201-216). Die antikapitalistischen und sozialromantischen Wurzeln der Partei schlagen hier voll durch: Die zwei Seiten (von insgesamt 58) leben von der Kritik an der angeblichen Renditeorientierung der Gesundheitsversorgung und setzen auf staatliche Steuerung und Planung. Die Institutionen des Systems kommen dabei überhaupt nicht vor. Die „Bürgerversicherung“ – vormals Leitgedanke des Grundsatzprogramms von 2002 – kommt nur noch am Rande vor. Geboten werden stattdessen weichgespülte Formeln. Der Text fällt weit hinter die programmatischen Ausarbeitungen zurück, die es bei den GRÜNEN schon einmal gegeben hat.

Dr. Robert Paquet

Petra Köpping

Das Vertrauen als bester Krisenmanager

Diese Krise hatte niemand auf dem Zettel. Die Corona-Pandemie hat für mich als neu ins Amt berufene Gesundheitsministerin Tatsachen geschaffen, die sich eklatant von denen unterschieden, auf die ich mich vorbereitet hatte. Wenn man mit klaren politischen Vorstellungen dieses Amt antritt und dann sofort in den Krisenmodus schalten muss, ist das eine sehr besondere Herausforderung. Aber, um das gleich vorweg zu sagen, wir haben das in meinem Ministerium und innerhalb der sächsischen Staatsregierung sehr gut gemeistert. Denn Regierungshandeln bewegt sich nicht, wie landläufig und mitunter auch berechtigt unterstellt, in eingefahren Verwaltungsbahnen, sondern kann schnell, lösungsorientiert und flexibel sein. Eine wichtige Erkenntnis der letzten fünf Monate lautet für mich: Die Pandemie hat unsere Sichtweise für das, was an schnellem Regierungshandeln als Krisenintervention zum Schutz der Menschen möglich ist, sehr geweitet.

Petra Köpping

Dr. Robert Paquet

Helden der Unterauslastung

Inzwischen wird in der Debatte die Frage lauter, wem die erfolgreiche Eindämmung der Corona-Pandemie in Deutschland zu verdanken ist. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat dazu ein Positionspapier vorgelegt[1]: „Lehren aus der Pandemie für eine gute Krankenhauspolitik“. Darin wird erklärt, die Krankenhäuser hätten den Kern der systemsichernden Infrastruktur gebildet und zudem viele Patienten in Ambulanzen betreut. Sie seien der „zentrale Ankerpunkt“ in der gesundheitsbezogenen Daseinsfürsorge. Aus diesen Feststellungen leitet die DKG weitreichende Forderungen ab, bis hin zu einer „grundlegenden Reform der medizinischen Versorgung“, in deren Mittelpunkt natürlich die Krankenhäuser stehen sollen. Dabei wird ihre Rolle jedoch unberechtigt überhöht; aus ihrer Leistung in der Pandemie lassen sich keine zusätzlichen Rechte für die Kliniken begründen.

Dr. Robert Paquet