Die Ehrung von fundierter und auch kritischer Berichterstattung rund um die Apotheken sowie der sehr emotionale Gesangs-Auftritt einer jungen Rheumatikerin, die ohne Medikamente und fachkundiger Beratung nicht am Leben teilnehmen könnte – das waren wohl die Szene-Höhepunkte des diesjährigen Apothekertages in München am 10. und 11. Oktober.
„Sunset Deluxe“ – die kleine, feine Jazz-Band aus Berlin zur Untermalung des Herbstfestes des AOK-Bundesverbandes sorgte für Erheiterung – ungewollt. Für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bot der Band-Name nämlich eine gute Steilvorlage. „´Sunset deluxe´ muss man sich leisten können“, sagte Spahn in seiner Eröffnungsrede.
Bei der Arzneimittelversorgung mitmischen, nicht nur von Innovationen reden, sondern sie machen und damit den größten Nutzen für Patienten und Unternehmen rausholen – diesen Anspruch lebt der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH). Jörg Wieczorek, Vorstandsvorsitzender der BAH, formulierte es auf dem diesjährigen Abendempfang im Berliner Axica so: „Um die Arzneimittelversorgung von morgen zu gestalten, ist auch die Herstellerperspektive wichtig. Wer – wenn nicht wir als BAH – kann an den relevanten Entscheidungen für die Arzneimittelversorgung wirklich mitarbeiten!“
Endlich sind sie wieder da – die Feste und parlamentarischen Abende im Berliner Gesundheitsbetrieb. Zweieinhalb Monate wurde nicht gemeinsam geplaudert, gelacht und gelästert und vor allem so manche Absprache getroffen. Beim Herbstfest des Verbandes der Privaten Krankenversicherung, kurz PKV, am 12. September, war dazu zum ersten Mal wieder Gelegenheit; wie immer im Hamburger Bahnhof.
Alle zwei Jahre stehen die Organisatoren von Sommerfesten vor besonderen Herausforderungen. Grund: Es steht ein fußballerisches Großereignis – meistens unter Beteiligung einer deutschen Fußballnationalmannschaft. Bis jetzt jedenfalls. So dachte sich es sich sicherlich auch der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed).
Wenn drei Ärzteverbände, die – ohne Berücksichtigung von Mehrfachmitgliedschaften – mehr als 110.000 Mediziner und Psychotherapeuten vertreten, zum parlamentarischen Abend laden, sind die Themen eigentlich klar: Berufsrecht, Honorar, Telematik, gepaart mit Forderungen an die Politik.
Große Events in der bundespolitischen Gesundheitsszene werden in der Regel in Berlin gefeiert – abgesehen von ein, zwei Ausnahmen. Der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) gehört dazu und lädt zum Netzwerken und Gespräche führen in das schmucke Städtchen Bonn ein, immerhin bis 1991 Bundeshauptstadt. Als „Interessenvertretung der Heilmittelwerbung“ zur Lösung von Marketingproblemen im Jahre 1954 gegründet, ist der BAH heute der mitgliederstärkste Branchenverband der Arzneimittelindustrie in Deutschland – mit Hauptsitz in Bonn, aber mit zwei wichtigen Abteilungen in Berlin (GKV-Arzneimittelversorgung/Selbstmedikation sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit).
Zumindest bei den Sommerfesten lebt die Digitalisierung im Gesundheitswesen: Der Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) hatte auf das Restaurantschiff PATIO geladen – und weit mehr Entscheider aus Kassenverbänden, Ärzteschaft und der Unfallversicherung sowie der Politik als in den Vorjahren kamen zum Helgoländer Ufer in Berlin-Tiergarten.
Die Sommerfeste des Marburger Bundes (MB) sind für die Gäste immer ein Höhepunkt. Denn bei der Wahl des Austragungsortes geben sich die Verantwortlichen wirklich Mühe, vielleicht sogar ihr Bestes. Ob die „Tube Station“ (2015), das Alte Stadthaus (2016) oder der „Spreespeicher“ (2017) – neben dem Netzwerken bleibt Zeit, die ungewöhnliche Location zu bestaunen und zu erkunden. In diesem Jahr entschied sich der MB für die Kunztschule in der Schützenstraße. Das ursprünglich 1904 erbaute Palais trennte – fast verfallen – vor der Wende den West- und Ostteil Berlins unmittelbar an der Mauer und bildet heute die Grenze zwischen Mitte und Kreuzberg. Die beeindruckende Sandstein-Fassade ist mit patriotischen Elementen verziert; einem Wappen mit dem Reichsadler sowie den Heiligen Georg, der den Erbfeind tötet, der in Form eines Drachen dargestellt ist.
Was haben Gesundheit und Zirkus miteinander zu tun? Diese Frage stellte sich Staatssekretär Thomas Gebhart anlässlich seiner Rede zum zehnjährigen Jubiläum des IKK e.V. und fand eine durchaus überraschende Antwort: „Es sind die wilden Tiere, die es übrigens auch im Bundesgesundheitsministerium gibt“ mit dem direkten Verweis auf seine namentliche Nähe zum schnellsten Land-Raubtier der Welt. Mehr als 200 Gäste waren in die „Bar jeder Vernunft“ zur „Gesundheit trifft Zirkus“ gekommen und amüsiert über die Worte des Staatssekretärs.
Sehen, spüren, erfahren – verstehen. Und das alles gespickt mit viel Emotionen. So läuft die Werbung in der Automobilbranche, für Supermarktketten oder Baumärkte oder für neue Lebensmittel. Oftmals wird schon Monate vorher ein Produkt beworben, bevor es auf den Markt kommt. Der Coup gelingt – meistens. Der Krankenversicherungsmarkt hat sich in diesem Bereich nicht hervorgetan: Bis jetzt. Der öffentlichen Vorstellung der digitalen Gesundheitsakte Vivy am 5. Juni in Berlin mit großem Auflauf aus der Branche ging eine monatelange Werbung auf den sozialen Medien und bei Veranstaltungen voraus.
Wenn ein Fest im Jahr für die Selbstverwaltung und auch für die Politik ein Pflichttermin ist, dann auf jeden Fall das Sommerfest des GKV-Spitzenverbandes in der Berliner Reinhardtstraße. Wo sonst die Verwaltungsratssitzungen stattfinden oder Verhandler von Kassen und Leistungserbringer sich die Köpfe um Honorare heiß reden, gab es bei herrlichem Sommerwetter Getränke, serviert von nettem Personal, etwas für den Magen und vor allem Zeit zum Plaudern.